Ich weiß nicht, wie schnell die Behörden mittlerweile kommunizieren. Für die meisten dürfte ich noch ein verurteilter Mörder sein, der bei der ersten Sichtung zu exekutieren ist.
Die Sache mit der Bewährung hatte in Therese´s Ohren nicht so richtig wahr klingen wollen, angesichts seiner Worte und Thierry unternahm auch im nachhinein nichts, um ihre Vermutung wieder zu entkräften. Dabei hatte sie so sehr gehofft, dass er wirklich außer Gefahr wäre, doch stattdessen wuchs genau diese, je länger sie hier zusammen standen. Wie lange mochte das noch gut gehen?
"Sei nicht albern. Mein Leben ist genauso wertvoll oder auch nicht, wie Deines! … Also hör auf so einen Unsinn zu reden", fuhr sie ihn energisch aber nicht böse an. Wer konnte bei so einem verschmitzten Lächeln schon böse sein? Wie ein großer Junge wirkte Thierry in diesem Augenblick, der nichts und niemanden richtig ernst zu nehmen schien.
"Und verlass Dich bitte nicht zu sehr darauf, dass alle Polizisten sich von Deinem Lächeln blenden lassen … Es reicht, wenn ich das tue, Du alter Charmeur!" Diese Worten klangen weitaus weniger energisch, vielmehr scherzend und vertraut aus Thereses Mund. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie Thierry immer noch sehr mochte und ihre Gefühle zu ihm noch lange nicht erloschen waren. Ihre Beziehung würde vielleicht nie mehr so wie früher werden, doch wer wusste schon was die Zukunft bringen würde.
Für den Moment schien jedenfalls alles gesagt und Thierry wollte offenbar das Treffen beenden.
"Pass auf Dich auf, versprich es mir!", forderte Therese ein Versprechen und einen Kuss von ihm, wobei sie letzteren einfach von seinen Lippen stahl, ehe sie ihn mit den abschließenden Worten gehen ließ:
"Wenn du mit mir in Kontrakt treten willst, dann poste am besten eine Nachricht in mein Account bei Mon Outremer. So wie wir es früher gemacht haben, … du weißt schon." <Wie wir aus einer Laune heraus angefangen haben, uns zum Spaß verschlüsselte Nachrichten zu schicken?!> Ob sich Thierry noch daran erinnerte? Vielleicht konnten sie ja auf dieses Weise die Polizei und andere unerwünschte Beobachter in die Irre führen.