Von solcherlei Entwicklungen weiß man noch zu wenig, denn auch wenn der Nachrichtendienst effektiv und schnell agierte, konnten Ereignisse im Fluss nicht immer so schnell erfasst werden, vor allem da die Ergebnisse von Umwürfen nicht wirklich feststehend waren. Sicher gab es einige Berichte aus der Presse und von einzelnen Beobachtern, doch letztendlich war die Lage zu unsicher, um die Veränderung klar zu bestimmen. Es war nicht einmal erkennbar, ob diese Verwerfungen überhaupt viel ändern würden. Dazu kam, dass der Auftraggeber besagten Nachrichtendienstes eine Gesellschaft darstellte, die von Paranoia, Misstrauen und Bürokratie geprägt war. Sie rühmte sich der besten Nachrichtendienste der Welt und allerlei Expertise, war aber meist nicht in der Verfassung, deren Erfolge und Erkenntnisse effektiv gewinnbringend umzusetzen. Ihr schlimmster Feind war auch kein äußerer sondern die innere Zersplitterung, welche erfreulicherweise die Welt vor den schlimmsten Auswüchsen ihrer skrupellosen Machtpolitik schützte. Das Leben galt es dabei zu achten, aber wenn man den Gegner als sabberndes, wimmerndes Wrack in der Ecke zurückließ, war das mehr als legitim. Natürlich tat man das bevorzugt missliebigen Ausländern an, aber die Jahrtausende an Zusammenleben miteinander hatte eben jene Expertise und Spuren hinterlassen, welche solch feine Gedanken zur Vollendung reifen ließen.
Oh, die Sondierenden waren mit Sicherheit nicht unschuldig, anständig oder harmlos, aber für sie war der Rest der Welt lieber berechenbar ohne Gefahr von Atomkriegen und anderen hässlichen Angelegenheiten, wo man sich zu sehr die Finger schmutzig machen müsste. Also blieb nur das leise Wort oder der schnelle Schnitt. Und Anturien war ein unliebsamer Anlass, egal wer dieses nun regierte. Kommunismus, Kapitalismus, Autokratie, Demokratie, all diese seltsamen Auswüchse der nervigen Ausländer waren bedeutungslos, egal, bestenfalls störend, schlimmstenfalls gefährlich. Jade Thrace war nun auch eine alte Bekannte, die durchgehend negativ aufgefallen war. Sollte sie nun als Entscheidungsfaktor herhalten, so eher als gutes Argument für die Umsetzung des Präventivschlages. Aber noch war die entgültige Entscheidung nicht gefallen, denn niemand konnte mal eben das Chaos entfesseln, dazu misstraute man einander viel zu sehr, um einem allein eine solche Entscheidung zu überlassen. Und nebenher stauten sich die Eilmeldungen, Statusnachrichten und neuesten Erkenntnisse irgendwo in bürokratischen Gängen - die Entscheidungsträger wussten alle Bescheid, aber bürokratische Abläufe waren wichtig, vielleicht konnte man die weniger kluger Konkurrenten ablenken, ausbooten oder gar von solchen Entscheidungen ausschließen. Und wenn am Ende ein Teil der Welt brandte . . . nun, besser als die ganze Welt, nicht wahr?