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Die letzten 10 Beiträge

21

Sonntag, 1. März 2020, 20:05

Von Ferdinand Marat

Wollten Sie ihn denn gar nicht mitnehmen? Sollte er jetzt hier im Keller ganz allein herumirren? So interessant war der Hotelkeller nun auch wieder nicht. Ja, bei dem Allmächtigen, da lang ein toter junger Mann im Anzug mit gebrochenen Genick in einer Ecke und irgendjemand könnte das Blut auf der Treppe sehen, wenn man das Licht anschalten würde. Nun, jemand sollte sich der Sache annehmen. Aber das würde sicher nicht lange dauern, das arme Opfer zu orten, auch wenn die Dinge mit Chips und Sendern in der Tasche einer armen verstörten Galariebesucherin auf einer Wache waren. Zuviel Chaos, zu viele Spuren. Nun, er hatte sicher genug Zellen in dieser Galerie und in diesem Keller verloren, genau wie Dutzende Leute mehr, sie waren frischer allerdings. Aber nein, ein Feuer fiel aus, die Kunst oben musste bewahrt werden. Und er hatte ja noch etwas zu tun. Jetzt wo das Hotel geräumt wurde und Barras die versprochene Ablenkung hergestellt hatte, musste er etwas anderes aus dem Hotel schaffen.

Er hatte es vor dem Zusammentreffen mit der Prinzessin und Barras bereits zwischengeparkt, er musste das Paket nur noch abholen und weiterverbringen, doch als er die beiden sah, war es ihm unmöglich gewesen, nicht zu reagieren. Leonie, seine kleine Leonie, war so groß geworden und so schön. Ihr fehlte nur noch ein letzter Schliff, aber er wusste, dass sie ihn nicht erkennen würde, dazu war sie als Mädchen zu verträumt gewesen bei dem kleinen Portrait. Diese kleine Sünde, die er begangen hatte. Sich ablenken zu lassen von seiner Aufgabe für die Schwäche - wie hatte die kleine Leonie es genannt - der Sympathie? Nun, Barras hatte ihm wie erwartet herausgeholfen. Der Mann war immer so einfach zu manipulieren. Aber auch er hatte sich nicht erinnert, obwohl sie sich so nah gekommen waren.

Er musste aufpassen, es nicht zu übertreiben. Man hatte seine Neigungen früh erkannt und umgelenkt, die Überflüssigkeiten weggeschnitten, das Individuum geformt. Er hatte seine Familie für sein Land geopfert und für die große Sache. Zur Ablenkung "sammelte" er ein wenig Kunst, studierte die Spachen, malte und zeichnete, dichtete und schrieb, damit er nicht vor der Zeit brach. Doch sie konnten nicht alles wissen, als sie ihn losließen, die kleine Schwäche für die Tochter, die er niemals hatte. Dass sie diese Liebe nie erkannt hatten, als sie ihn formten, war das Fehler oder war es Schwäche? Oder hatten sie es gesehen und es belassen? Nun, er war der Beste seiner Generation, selbst die anderen Familien wussten nichts von seiner Existenz. Der Zeitpunkt war gekommen, auf den er solange gewartet hatte. Doch er musste seine Tochter beschützen.

Genug der Ablenkungen. Geübt zog er sich um und holte die Sammelware ab, dann ging er zu einem späteren Zeitpunkt wohl unbemerkter davon. Aber so einen alten Koch verfolgte auch keiner. Auch in solch abgewetzter uneleganter Zivilkleidung nicht. Den Arbeitsrucksack auf dem Rücken, die Mütze gegen den Wind im Gesicht, die Straße hinunter. Drei Tage noch, dann würde es weitergehen. Das kleine Bild aus der Schatulle der Comtessa würde sich gut im kleinen Eckschrank machen.

20

Sonntag, 1. März 2020, 19:43

Von Thierry Barras

Fluchend schaute Thierry der Prinzessin und ihren Gorillas hinterher - und auf das Häufchen Elend, das sich Marat nannte. Woher kannte er dieses Gesicht nur?
Doch für lange Abschiedsworte blieb keine Zeit, da eine denkwürdige Räumung einer sehr harmlosen Vernissage erfolgte. Die Schlagzeile auf den Tageszeitungen war ihnen jetzt gewiss. Ungläubig schaute Thierry um sich. Er duckte sich geschickt unter Gorillahänden durch und nutzte das allgemeine Tohuwabohu, um im Zickzack durch Gässchen, Sträßchen und verwinkelte Wege weit weg von der ganzen Szenerie war. An eine Wand gelehnt, begann er zu lachen. Zögernd, unterdrückt, fortschreitend, lauter, bis hin zu einem schallenden Gelächter.

<So lebendig habe ich mich zuletzt mit Therese gefühlt. Wow!>

Apropos Therese... Jetzt kam er dazu, auf sein Handy zu schauen. Die Absenderin hatte er als "Thomas" eingespeichert - falls man sein Handy konfiszierte, sollte man nicht zu schnell die Verbindung zwischen ihm und Therese herstellen können (auch wenn diese für einige Gruppen längst ein offenes Geheimnis geworden war, doch dies ist ein anderes Thema).

Zunächst freute er sich - bis er die SMS öffnete. "Wir müssen reden" stand dort. Mehr nicht. Und jeder Mann weiß, was es bedeutet, wenn eine Frau diese Worte äußert.

Das Lachen erstarb so schnell und plötzlich, wie es gekommen war. Therese hatte alle Vorsicht und alle geheimen Kontaktwege für eine derart kurze Nachricht fallen gelassen. Was war dort vorgefallen? War etwas aufgeflogen?

<Die Zeit der Geheimnachrichten ist offenbar vorbei. Agieren wir offen.>

Dass er der Prinzessin den Abend versaut hatte, war ihm nun egal.

19

Sonntag, 1. März 2020, 19:24

Von LEONOR de Guyenne

Und die Prinzessin amüsierte sich köstlich. Leider ließen beide Männer sie absolut nicht zum Wort. Es war ein Theaterstück vom Feinsten und erinnerte ihr an die Komödien aus dem 17. Jh., die in dieser Zeit verbreitet waren. "Des Gärtners Hund" oder "Tartuffe". Leonor konnte weder dem einen noch dem anderen den Palmzweig des ersten Platzes zu geben, bis ihr Leibwächter doch eingriff. Als sie die Hand um ihre Schulter spürte, schob sie diese mit einem Lächeln weg und blickte auf Barras"
Scherben bringen Glück. Wissen Sie das nicht? Sie haben jetzt Alarm ausgelöst.
"

Die Leibwächter hielten ihre Positionen und störten nicht. Bis zu einem
bestimmten Punkt, wo das Wort "Attentat" und "Prinzessin in Gefahr"
fiel. Leonor warf den Blick auf Marat, doch das war alles, was sie sagen oder tun konnte. Man schob Männer zur Seite und zwang Prinzessin zum Ausgang. Es waren natürlich nicht nur zwei Bodygards in der Menge.

18

Sonntag, 1. März 2020, 15:51

Von Thierry Barras

Kopfschüttelnd drehte er Marat den Rücken zu und wandte sich an die Prinzessin, der er mit einer Hand auf der zarten Schulter zuflüsterte:
"Immerhin keine Langeweile, auch wenn ich dieses Gewese überhaupt nicht verstehe. Kommen Sie... lassen wir Ihren Gorilla die Arbeit verrichten, ich..."

In diesem Moment vibrierte das Handy in seiner Hosentasche und verkündete damit, dass er eine SMS bekommen hätte. Er war verwirrt. Diese Nummer kannten nur wenige - eine von ihnen...

<Therese?>

Wer auch immer es war, hatte einen unheimlich unpassenden Moment erwischt. Zudem war weiterhin die ganze Aufmerksamkeit der umstehenden Leute auf sie gerichtet. Das ältere Ehepaar hatte seine Theorie einer spontanen Improvisation wohl verbreitet und begann, langsam zu klatschen. Offenbar hielten sie die Szene für beendet.

Irritiert drehte Thierry sich mehrfach um die eigene Achse. Er verspürte eine gewisse Beklemmung, denn einige der Leute kamen näher. Sie würden Fragen stellen. Fotografen würden die Szene einfangen wollen. Er war ein Narr...

"Prinzessin... grüßen Sie diesen Barras von mir, über den der Herr gesprochen hat. Scheint nett zu sein."

17

Sonntag, 1. März 2020, 15:43

Von Ferdinand Marat

Endlich schienen die Leibwächter zu reagieren und der, den er davor so grob beleidigt hatte, packte Marat und schüttelte ihn kräftig. So musste er das Klappern der Zähne nicht einmal vorspielen.

""Okay, den einen haben wir, blöder alter Trottel, was sollen wir mit ihm machen?"

Marat wurde nun gehalten, während Barras auf seiner Brust herumtippte. Sollte er tippen, er hat keine sichtbaren Waffen bei sich. "Was wollen Sie von mir, ich bin doch nur ein alter Mann. Ein Pornostar? ich? Wer sollte mich denn sehen wollen? Und was war denn gelogen? Ich habe nich . . nicht gelogen! Welch Infamie! Lassen Sie mich doch los." Er begann schnappend zu atmen und der Leibwächter lockerte etwas den Griff, ja, sein Urteil über diesen war wohl gerechtfertigt gewesen. Für die Umstehenden mochte es nun so aussehen, als bekäme er gleich einen Anfall.

16

Sonntag, 1. März 2020, 15:24

Von Thierry Barras

Er schaute den alten Mann ungläubig an. Was für ein Spiel spielte er hier? War er überhaupt noch bei Sinnen? Was hatte er vor?

"Jaja, ein sehr zusammenhangloser Vortrag, Monsieur. Doch die Indizien sprechen für sich. Wer, der nur die Kunst wertschätzen möchte, verschüttet absichtlich kostbares Wasser, zerbricht absichtlich ein von ihm als minderwertig klassifiziertes Glas, um dann mit einer Scherbe eben dieses Glases vor die Prinzessin zu treten? Doch lassen wir dies ein Gericht entscheiden. Wichtig ist nur eines - und das ist die Sicherheit der Prinzessin. Um diese zu gewährleisten, sind diese zwei sympathischen Anzugträger da, die keinen Muskel rühren - schließlich geht dank meines heldenhaften Einsatzes keine Gefahr mehr für sie aus."

Allgemeines Rumoren erfüllte den Raum. Die umherstehenden Leute wussten offensichtlich nicht, was sie von dem Ganzen halten sollten. Ein älteres Ehepaar begann sogar zu klatschen. Offenbar hielten sie dies für eine spontane Improvisationsdarbietung. Thierry hätte in seinem Aufzug auch problemlos als Mitglied der Laientheatergruppe, die sich jeden Mittwoch ein paar Häuser weiter traf, durchgehen können.
Aber warum reagierten die Bodyguards immer noch nicht? Hatte er die Situation falsch eingeschätzt? Das wäre nicht das erste Mal gewesen, doch jetzt gab es kein Zurück mehr.

"Monsieur Marat hier ist nicht der arme Maler, für den er sich ausgibt. Er ist ein Blender - und ich glaube, er war früher einmal Pornostar. Doch vor allem ist er eines: Ein schamloser Lügner."

Bei diesem Wort beugte er sich herunter, schaute Marat direkt in die trüben Augen und setzte seinen Finger auf dessen Brust. Es war nicht der Zeigefinger.

15

Sonntag, 1. März 2020, 15:13

Von Ferdinand Marat

Köstlich, ein interessantes Geschenk. Man würde sie alle verhaften, wenn das nötig wäre. Aber gleichzeitig war das nicht in seinem Sinne. Wichtig war nur, der Prinzessin die volle Kontrolle zu geben. Kurz überlegte er, ob er Barras hier und jetzt unschädlich machen sollte, doch sah er nicht, wie ihm das gelingen sollte, ohne einen oder mehr Menschen zu töten. Und das wäre dann doch zu dramatisch gewesen. Zumal weder Barras noch die Prinzessin zu Schaden kommen durften. Zitternd drehte er sich zu der Menge um.

"Oh ihr Leute, verzeiht den Aufruhr, ich war hingerissen vor der dargestellten Kunst. Doch beruhiget euch, allein die ehrbare Prinzessin hat die Kontrolle, sie hat alles in der Hand, mein Leben und das jedes Einzelnen hier eingeschlossen. Ihrer Autorität beuge ich mich jederzeit. Ich werde der Zukunft des Reiches sicher nicht gefährlich werden können. Ein alter Mann wie ich. Soviel Emotionalität." Er brabbelte weiter, ein Kauderwelsch zusammen, unablässig bombardierte er den Raum mit Fetzen und Informationen. Er verließ sich darauf, dass die Prinzessin die wichtigen Schlüsse zog. "ich, der arme Maler Ferdinand Marat, hier wie alle, um diese Inspiration zu genießen. Ich bin soviel Aufmerksamkeit nicht gewohnt, oh, wenn Sie mich töten wollen, so werde ich für die Prinzessin sterben, oh oh . . ." Sein Zittern wurde unkontrollierter, rief nun endlich jemand die Wache? Wenn Barras hinter Schloss und Riegel war, konnte die Sache gut ausgehen. Sein Leben war unwichtig, aber Barras musste hinfort und die Prinzessin überleben.

14

Sonntag, 1. März 2020, 15:01

Von Thierry Barras

In dem Moment, in dem Marat die Scherbe fallen ließ, spürte Barras eine grobe Hand auf seiner eigenen Schulter. Sie gehörte zu dem Bodyguard, dem der Künstler eine Vorliebe für ihn andichtete. Unverzüglich ließ er das Handgelenk los, hob beide Hände und gab sorgsam darauf Acht, keinen Tropfen Wasser zu verschütten. Doch er bewegte sich keinen Meter zur Seite.

"Ich bitte Sie, Herr Grobian - was soll denn das nun wieder?"

Mit einer eleganten Drehung befreite er sich aus dem Griff des Gorillas und hob das Glas wie einen Schutzschild vor sich.

"Ich möchte lediglich einen Schluck trinken. Und einen Spitzel enttarnen. Bitte halten Sie mal kurz."

Etwas zu unsanft drückte er (nachdem er einen großen Schluck trank) dem zweiten Gorilla sein Glas in die Hand und ging - stolzierend wie ein Pfau - um Marat herum. Nach zwei Umrundungen blieb er genau zwischen ihm und der Prinzessin stehen, ein Funkeln in den Augen.

"Dies hier, Mesdames et messieurs, ist kein Künstler. Oh nein, lassen Sie sich von seinem Geschwafel nicht blenden."

Er sprach bewusst laut, um die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich und den seltsamen Menschen vor ihm zu lenken. Täuschte er sich oder kam ihm das Gesicht bekannt vor?

"Dieser Mann war kurz davor, ein Attentat auf die Prinzessin zu verüben! Mit einer Glasscherbe in der Hand ging er zähnefletschend und geifernd auf sie zu. Die Leibwächter waren starr vor Schreck. Nur durch mein beherztes Eingreifen wurde das Leben der Prinzessin verschont! Ergreift ihn! Aber nehmt ihm das Wasserglas vorsichtig ab. Er hegt dafür tiefe Gefühle, denn es stammt aus einer Achterreihe."

Er spürte, dass diese Ansprache ihre Wirkung nicht verfehlte. Einzelne Leute drehten sich um und selbst die Gorillas wirkten verunsichert.

"Ergreift ihn, sagte ich! Oder wollt ihr einen Attentäter frei herumlaufen lassen?"

13

Sonntag, 1. März 2020, 14:49

Von Ferdinand Marat

Also ließ Marat die Scherbe fallen, es gab keinen Grund zur Beunruhigung, denn nur eine Person hatte hier die Kontrolle und das war die . . . Madame. Ob das Picard-Barras erkennen konnte, war fraglich. Aber die Möglichkeiten waren immens. Oh, natürlich musste er noch eine Reaktion zeigen, aber diese kam etwas verzögert, vielleicht eine Sekunde zu spät. Er zuckte zusammen und stammelte.

"Monsieur Picard, was . . . was machen Sie da?"

Gespannt wartete er darauf, was nun passieren würde. Es gab keine Zeit für Zweifel, auch wenn sein Gesicht Erschrecken und Unsicherheit zeigte. Ob hier jemand auf der Vernissage nun die Bausteine zusammensetzen würde, um Barras Verhaftung zu erwirken? Nicht unwahrscheinlich, angesichts seines auffälligen Verhaltens. Dagegen kannte hier niemand Marat, jedenfalls sollte ihn niemand kennen. Er war sich sicher, dass alle tot waren, die ihn je gekannt hatten. Das war für seine Aufgabe schließlich unabdingbar, auch wenn er drei Jahrzehnte benötigt hatte, sie alle aufzuspüren.

12

Sonntag, 1. März 2020, 14:20

Von Thierry Barras

Er zuckte nicht, als Marat das Glas fallen ließ. Was für ein Schauspieler. In puncto Dramatik versuchte er wohl, seinen eigenen Auftritt in den Schatten zu stellen? Tölpel.

"Man sagt, es lebe sich gänzlich ungeniert, sei der gute Ruf erst ruiniert. Woher soll ich wissen, was es mit diesem Barras auf sich hat? Lebt er gut, tut er dies nicht, muss er sich mit irgendwelchen Emporkömmlingen herumschlagen wie ich jetzt gerade?"

<Mir doch total scheißegal, ob du irgendwem dein letztes Hemd für ein Glas gibst oder nicht.>

Und so stand Marat dort - mit einer Scherbe in der Hand vor der Prinzessin. Die Gorillas schienen nicht einmal zu zucken. Was konnten diese Deppen eigentlich?

Er beobachtete Marat nur kurz, ehe er zu handeln beschloss.

Entschlossenen Schrittes ging er den halben Meter, der zwischen ihm und Marat lag, und griff nach der Hand, die die Scherbe hielt - oder vielmehr: Nach dem Handgelenk. Und dann passierte scheinbar alles gleichzeitig...