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21

Montag, 27. Januar 2020, 07:37

Erschrocken riss Therese die Augen auf als Thierry klar stellte, dass er jederzeit von der Polizei verhaftet werden könnte. Es gab also gar keine Bewährung? Wie hatte sie nur so naiv sein können genau das zu unterstellen. Nur, weil Thierry hier in der Öffentlichkeit herum lief als hätte es nie einen Mord gegeben? Auch wenn es seine Taktik war, genau durch dieses Auftreten die Behörden in die Irre führen zu wollen … <Das kann doch auf Dauer nicht gut gehen! … Ich könnte mich ohrfeigen, dass ich ihn hierher gebeten habe …>

"Aber …aber …das ist doch Wahnsinn! Wie kannst du nur so tun, also ob nichts wäre? … Und was mache ich? … Ich bringe dich auch noch zusätzlich in Gefahr, indem ich dich ausgerechnet in dieses Hotel bitte. … Oh, wie konnte ich nur so dumm sein und annehmen, dass man die Strafe gegen dich tatsächlich auf Bewährung ausgesetzt hat." Therese rang fassungslos nach Atem angesichts ihrer Blauäugigkeit und ihres Vorschlages von eben. Sie hatte wirklich Angst um Thierry und das mochte man ihr durchaus ansehen.

<Natürlich müssen wir geschickter vorgehen, … sehr viel geschickter, … angesichts dieser Umstände> Nickte Therese eher abwesend zu seinen weiteren Worten und Vorschlägen während sich ihre Gedanken überschlugen. Wie sollten sie am besten vorgehen? Wem könnten sie vertrauen und überhaupt? …

"Hast du eigentlich einen sicheren Ort, an den du dich zurück ziehen kannst? … Und wie bleiben wir am besten in Kontakt? … Wo treffen wir uns bei Bedarf?" Einfache Fragen, die womöglich schwer zu beantworten waren wenn man es mit einem vermeintlichen Mörder zu tun hatte. Und sein Plan jemanden mit der Beschaffung zu beauftragen machte es noch viel komplizierter. Jeder Mitwisser war eine Gefahr und würde sie erpressbar machen:

"Und du bist dir ganz sicher, dass man denen trauen kann? … Wer für Geld ALLES tut, der lässt sich grundsätzlich von JEDEM kaufen. …Nein, ich halte es für besser, wenn ich die Informationen beschaffe. Ich finde schon irgendeinen Vorwand um in das Polizeiarchiv zu gelangen" Therese verhehlte ihre Zweifel nicht in Bezug auf potenzielle Mitwisser, da sie selbst so gut wie niemandem vertraute.
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
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Thierry Barras

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22

Montag, 27. Januar 2020, 09:37

Hatte er sich verplappert oder hatte Therese die Lüge mit der Bewährung durchschaut? Wahrscheinlich letzteres, schließlich war ihr scharfer Verstand eine ihrer Eigenschaften, die ihn in den Wahnsinn trieb - auf gute wie auf schlechte Art.

"Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin jetzt schon geraume Zeit wieder in Outremer und grüße die uniformierten Dödel, wenn ich mir morgens meine Brötchen beim Bäcker hole. Dieser Fouche, oder wie auch immer der Polizeichef nochmal heißt... der muss händeringend nach Personal suchen, wenn man sich so anschaut, wer alles im Polizeidienst tätig ist."

Das verschmitzte Lächeln wich nicht von seinem Gesicht. Er hielt noch nie viel von der Polizei, machte sich aber einen Spaß daraus, sie vorzuführen. Und er hoffte, dass er Therese die Angst nehmen könnte, wenn er selbst kein sorgenvolles Gesicht aufsetzte, sondern das eines Mannes, der genau weiß, was er tut.

"Du hast deine Einladung hierher doch an mich zustellen können durch einen Boten. Wirklich "sicher" ist kein Ort. Aber ich habe meine Kontakte und Unterkünfte, falls es hart auf hart kommen sollte.
Mein Handy ist leider auch hinüber...
"
<...dank Duroc, diesem barbarischen Arsch...>
"...aber das wird wahrscheinlich sowieso überwacht."

Thereses Einwände verstand er. Sie wollte die Zahl der Mitwisser so gering wie möglich halten. Das verringerte zwar das Risiko, aber für ihn damit auch den Nervenkitzel. Allerdings... nach seinem Aufeinandertreffen mit dem Seneschall war das wahrscheinlich gerechtfertigt. Sein pochender Kopf erinnerte ihn gerade an das Aufeinandertreffen mit der Wand. Unwillkürlich hielt er sich den Hinterkopf und verzog das Gesicht nur für einen Augenblick vor Schmerz.

"Therese... bitte sei vorsichtig. Falls man dich gefangen nehmen sollte, falls man dich verhört oder gar foltert - schütze dich. Dein Leben ist wertvoller als meins."

Mit diesen Worten deutete er an, das Treffen beenden zu wollen. Sie durften sich nicht zu lange gemeinsam in der Öffentlichkeit sehen lassen - auch wenn sie hier im Garten halbwegs geschützt waren. Doch er wartete, ob Therese noch weitere Fragen hatte - für den Moment jedenfalls.
Senator Thierry Barras
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23

Dienstag, 28. Januar 2020, 17:51

Zitat

Ich weiß nicht, wie schnell die Behörden mittlerweile kommunizieren. Für die meisten dürfte ich noch ein verurteilter Mörder sein, der bei der ersten Sichtung zu exekutieren ist.

Die Sache mit der Bewährung hatte in Therese´s Ohren nicht so richtig wahr klingen wollen, angesichts seiner Worte und Thierry unternahm auch im nachhinein nichts, um ihre Vermutung wieder zu entkräften. Dabei hatte sie so sehr gehofft, dass er wirklich außer Gefahr wäre, doch stattdessen wuchs genau diese, je länger sie hier zusammen standen. Wie lange mochte das noch gut gehen?

"Sei nicht albern. Mein Leben ist genauso wertvoll oder auch nicht, wie Deines! … Also hör auf so einen Unsinn zu reden", fuhr sie ihn energisch aber nicht böse an. Wer konnte bei so einem verschmitzten Lächeln schon böse sein? Wie ein großer Junge wirkte Thierry in diesem Augenblick, der nichts und niemanden richtig ernst zu nehmen schien.

"Und verlass Dich bitte nicht zu sehr darauf, dass alle Polizisten sich von Deinem Lächeln blenden lassen … Es reicht, wenn ich das tue, Du alter Charmeur!" Diese Worten klangen weitaus weniger energisch, vielmehr scherzend und vertraut aus Thereses Mund. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie Thierry immer noch sehr mochte und ihre Gefühle zu ihm noch lange nicht erloschen waren. Ihre Beziehung würde vielleicht nie mehr so wie früher werden, doch wer wusste schon was die Zukunft bringen würde.

Für den Moment schien jedenfalls alles gesagt und Thierry wollte offenbar das Treffen beenden.

"Pass auf Dich auf, versprich es mir!", forderte Therese ein Versprechen und einen Kuss von ihm, wobei sie letzteren einfach von seinen Lippen stahl, ehe sie ihn mit den abschließenden Worten gehen ließ: "Wenn du mit mir in Kontrakt treten willst, dann poste am besten eine Nachricht in mein Account bei Mon Outremer. So wie wir es früher gemacht haben, … du weißt schon." <Wie wir aus einer Laune heraus angefangen haben, uns zum Spaß verschlüsselte Nachrichten zu schicken?!> Ob sich Thierry noch daran erinnerte? Vielleicht konnten sie ja auf dieses Weise die Polizei und andere unerwünschte Beobachter in die Irre führen.
Therese Cabarrus
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24

Dienstag, 28. Januar 2020, 20:16

Den Kuss erwiderte er nur allzu gerne. Ihm verlangte noch mehr, aber dies war nicht der Ort und jetzt war nicht die Zeit. Immerhin wusste er jetzt, dass sie ihm kein Messer in den Rücken rammen würde, wenn es soweit käme.

"Mon Outremer"? Das muss eine dieser Internetplattformen sein. Wie war nochmal sein Nickname dort?

"Es ist gut möglich, dass ein gewisser "Leo Lioncourt" dir dann so nette Sachen schreibt wie "Genieße den Tag am See" oder "Es gibt Eintopf". Ich hoffe, du hast nicht all unsere Codes vergessen."

Mit einem schelmischen Lächeln gab er ihr die Antwort auf die Frage, die sie nie gestellt hatte.
Wie gerne hätte er auf der Flucht auf diese Art Kontakt mit ihr aufgenommen. Wie gerne hätte er ihr damit sagen wollen, was er ihr heute gesagt hatte. Doch hätte sie ihm damals geglaubt?

"Und wo wir gerade beim Thema sind: Rübennasen säen Wind."

Dieser Code stand vor "Hüte dich vor dem/der Regierungschef/in", womit er in diesem Fall jedoch nicht die Kaiserin, sondern den Seneschall meinte. Da er jedoch den Code für "männlicher Regierungschef" verwendete, konnte sie nur zu diesem Schluss kommen. Und er deutete damit an, dass er den Seneschall getroffen hatte - ein sehr riskanter Zug seinerseits, war doch Teil der Abmachung mit Duroc, dass niemand erfahren solle, dass sie sich kennen.
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25

Mittwoch, 29. Januar 2020, 07:52

Zitat

… Leo Lioncourt" ... "Genieße den Tag am See" oder "Es gibt Eintopf" … Rübennasen säen Wind ...

Thierry kannte also noch die Codes! Therese schmunzelte vergnügt und für eine Sekunde fühlte sie sich zurück versetzt in jene schöne Stunden, die sie zusammen genossen hatten. <Oh ja, es gibt Eintopf … > Therese wusste noch gut was Thierry von ihr wollte, wenn er ihr das schrieb und was sie ihm darauf antworten sollte:

"Und zum Nachtisch gibt es Eclairs à la crème de fraise! Lieferung wie immer mittags ins Büro?" <Ich erwarte Dich in einem Hauch von Nichts. Um 20 Uhr, in unserer Liebeslaube in der Rue du Village.>

Leider gab es jenes kleine Appartement schon lange nicht mehr, welches Theres damals unter falschem Namen angemietet hatte. Und ebenso wenig hatten sie heute und hier die Gelegenheit gemeinsam den Eintopf und den Nachtisch zu genießen, denn angesichts des letzten Codes - oder besser gesagt Warnung - verflogen die schönen Erinnerungen wieder und Therese wirkte wieder ernst, als sie ihm zum Abschied noch einmal wissend zu nickte und ihm nachdenklich nach blickte.
Therese Cabarrus
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26

Mittwoch, 29. Januar 2020, 08:01

Er lächelte ein ehrliches, glückliches Lächeln, als Therese seinen Lieblingscode nannte. Für einen kleinen Moment war auch er in die Vergangenheit zurückversetzt - in eine bessere Zeit, in der er nicht "Katz und Maus" spielen oder sich von einem Emporkömmling wie Duroc hin- und herschubsen lassen musste wie eine Schachfigur.

Zum Abschied gab er Therese einen Kuss auf die Stirn. Mit einem gehauchten
"Pass bitte auf dich auf..."

...verließ er den Garten, stolzierte durch das Restaurant wie ein eleganter Pfau, grüßte einige ihm unbekannte Leute mit schwungvoller, offener Herzlichkeit (die konnte er derzeit am besten spielen) und sah zu, dass er Land gewann.
Dass er hierbei ganz vergaß, zu bezahlen, und dies an Therese hängenbleiben würde, war keine bösgemeinte Absicht. Seine Aufgabe war es jetzt, herauszufinden, ob irgendeine seiner Optionen zur Aufnahme des Gesprächs mit Duroc funktioniert hatten - und auf Thereses Nachricht mit dem Inhalt "Ich habe ein tolles Buch gekauft, das kann ich dir nur empfehlen" (Ich habe die Akten. Sag, wo wir uns treffen.) zu warten.
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