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1

Mittwoch, 15. Januar 2020, 22:38

Schatten der Vergangenheit

Da saß sie also und wartete … und wartete … und wartete …

Therese warf einen Blick auf ihr Handy und las zum wiederholten Male die Uhrzeit ab. Mittlerweile war es 18:45 Uhr … < … 45 Minuten zu spät. Typisch Thierry, … sofern er es wirklich gewesen ist, der mir den Brief geschrieben hat … > Genervt schnaubend schob sie das Handy zur Seite, griff stattdessen zum Weinglas und nahm einen Schluck von dem süßen Rebensaft, während sie den Blick auf die Eingangstüre des Restaurants richtete. Praktischerweise hatte sie sich einen Tisch am anderen Ende des Saals geben lassen, um den Eingang gut im Auge behalten zu können. Nicht, dass sie Angst gehabt hätte … warum auch? ..aber dennoch konnte sie es immer noch nicht glauben, dass ihr "alter Freund" tatsächlich wieder aufgetaucht war. Und noch dazu lebend …

Wie auch immer. Wenn Thierry nicht bald erscheinen würde, dann … dann … ja was dann?
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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2

Mittwoch, 15. Januar 2020, 22:45

Er schaute auf die Uhr. Oha, schon 18.30 Uhr und er war nicht einmal in der Nähe des verabredeten Treffpunktes. Das lag vor allem daran, dass er über verwinkelte Gässchen und dunkle Straßen ging. Man wusste nie, wo Durocs Leute lauerten und was sie vorhatten. Vor allem wusste er nicht, wer das Original des Todesurteils gegen ihn in der Hand hielt. Und er bekam Angst.
<Was, wenn Therese es hat? Dann laufe ich in meinen Tod...>

Doch die Neugierde war stärker. Und er glaubte nicht, dass Duroc einen so raffinierten Plan aushecken würde, nur um ihn tot zu sehen. Da gab es deutlich einfachere Mittel und Wege.

Was würde ihn erwarten? Therese hatte sich sofort von ihm abgewandt, als er des Mordes an seiner Frau auch nur beschuldigt wurde. Sie glaubte den ganzen Dreck, dass er derjenige war, der diese Gräueltat beging. Niemand hatte auch nur den Hauch eines Zweifels - und so glaubte ihm auch niemand.

Doch es waren noch Gefühle für Therese da, sonst hätte er sich nicht aus seiner Deckung gewagt, nur um sie zu treffen. Anders konnte er es sich nicht erklären.

Was würde ihn erwarten? Dieser Gedanke kreiste immer wieder in seinem Kopf herum, als er gegen 18:47 Uhr das Hotel Savoy Truffle betrat, zum Restaurant ging, sich umschaute und den wachen Blick Thereses auffing. Sie hatte sich in den sechs Jahren (oder waren es fünf? Das Zeitgefühl war einfach weg) seiner Abwesenheit kaum verändert. Mit einem dicken Kloß im Hals ging er zum Tisch und sagte leise:

"Hallo... Therese..."
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3

Mittwoch, 15. Januar 2020, 23:20

Fast hätte sich Therese am letzten Schluck Wein verschluckt, als just in dem Moment Thierry das Restaurant betrat. Gleichzeitig jagte ein kühler Schauer ihren Rücken hinab. Früher wäre es ein wohliger Schauer gewesen, doch heute …? Heute mischte sich ein gewissen Unwohlsein darunter, denn heute vor über 5 Jahren hatte Therese ihn zum letzten Mal gesehen. Damals, als das Todesurteil gegen ihn verhängt worden war und sie sich folglich von ihm abgewandt hatte. Wer hätte das nicht getan, angesichts der bedrückenden Beweislage? Obwohl … ausgerechnet sie hätte eigentlich zu ihm stehen müssen, angesichts jener Tat, die er begannen hatte (bzw. haben soll). Für den Mord an seiner Frau! Ja, dafür hätte Therese ihm eigentlich um den Hals fallen müssen, schließlich hatte sie diese falsche Schlange fast mehr gehasst, als deren Bruder Eugene. Aber Mord war Mord und niemand wollte gern mit einem Mörder in Verbindung gebracht werden.

War das der Grund? Wollte Thierry sie also nun dafür zur Rede stellen? Wollte er sich gar an ihr rächen, dass sie ihn im Stich gelassen hat, oder wollte er vielleicht nur klar stellen, was damals vorgefallen war? Da stand er nun wahrhaftig vor ihr und wirkte noch genauso attraktiv wie vor Jahren … und dann diese Begrüßung … Bei seinen gehauchten Worten stand Therese wie mechanisch auf und sah im tief in die Augen, während sie in ihrem langen eleganten Abenkleid vor ihm stand:

"Bonsoir, Thierry … ich … hätte nicht gedacht, dich noch einmal lebend zu sehen ...um so mehr freue ich mich, dass dem noch so ist", erwiderte Therese mit unsicherer Stimme während sie ihn fast schon verlegen ansah. Gleichzeitig machte sie eine fahrige Handbewegung mit der sie ihm anbot sich zu setzen: "Was führt dich nach all den Jahren zu mir?", schoss es fast schon zu auffällig aus ihr heraus, doch war ihre Neugier wohl kaum verwunderlich.
Therese Cabarrus
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4

Mittwoch, 15. Januar 2020, 23:30

Er war verunsichert und wusste nicht, wie er Therese begrüßen sollte. Am liebsten hätte er sie umarmt und nie wieder losgelassen, so wie früher, als er noch kein unschuldig verurteilter Mörder war. Aber er blieb nur steif stehen, bis sie ihm in die Augen schaute. Diese Augen... Wie gerne hatte er sie damals angesehen - und irgendwie schienen sie noch den Glanz von früher auszustrahlen, auch wenn er ein bisschen getrübt war. Kein Wunder - sie dachte offenbar immer noch, er sei der Mörder gewesen. Aber sie war auf seine Einladung eingegangen und hatte nicht sofort die Truppen des Seneschall angerufen. Das war doch ein gutes Zeichen, oder?

Zögernd setzte er sich und schaute auf die fast leere Weinflasche.

"Tut mir leid, dass ich dich habe warten lassen. Ich habe mich verlaufen, musste nach dem Weg fragen und geriet an ein paar seltsame Gestalten."

Zumindest der letzte Punkt war nicht gelogen, denn unterwegs traf er nicht nur auf Trunkenbolde, sondern auch auf einen Taschenspieler, der ihm einfach nicht von der Pelle rücken wollte. Die ganze Zeit über hatte er das Gefühl, dass dieser von Duroc gesandt worden war - aber noch deutlich vor dem Hotel konnte er ihn abschütteln (ironischerweise durch einen alten Taschenspielertrick, den er in Dionysos gelernt hatte).

Mit betretener Miene sah er Therese an - sie wirkte so, als sei sie mit ihrem Leben zufrieden. Und er wusste nicht, wie er auf ihre Frage antworten sollte. Also stellte er seinerseits eine Frage.

"Es heißt, man hätte dir einen Adelstitel verliehen? Meinen Glückwunsch. Das sollten wir feiern."

Doch er sah nicht so aus, als sei ihm nach Feiern zumute. Er war zwar froh, dass Therese den ganzen Smalltalk-Mist übersprang - aber er brauchte Zeit, um warm zu werden. Er wollte wissen, ob er ihr vertrauen konnte, ohne zu direkt zu fragen, und hoffte, dass sie von der Verleihung des Adelstitels erzählen würde.
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5

Donnerstag, 16. Januar 2020, 00:16

"Nun, ich bin ...ich war … ich war es ja stets gewohnt, wann immer du mich hast warten lassen. Von daher mach dir mal keine Sorgen. Außerdem hätte der Weinkeller des Hotels mir noch genügend Vorrat geboten, falls du mich noch länger hättest warten wollen", versuchte Therese, mehr schlecht als recht, scherzend auf seine Worte und auf seinen entschuldigend wirkenden Blick auf die Flasche zu reagieren. Etwas zu steif vielleicht, ein wenig vorwurfsvoll gar und gleichzeitig ein kleines bisschen vertraut wirkend. Schließlich ließen sich die schönen Stunden kaum leugnen, die sie zusammen verbracht hatten, genau so wenig wie jene Stunden, in denen sie ihm am liebsten die Augen ausgekratzt hätte.

Beispielsweise wenn er sie wieder einmal versetzt hatte und stattdessen mit seiner Frau zusammen blieb, während sie im Negligé bereits auf dem Bett lag und vergeblich auf ihn gewartet hatte. Ja, diese Situationen hatte es durchaus gegeben, auch wenn Therese niemals zugegeben hätte, dass ihr das etwas ausgemacht hat: Nur die Geliebte zu sein … noch dazu von einem Mann, der ausgerechnet ihre schlimmste Feindin geehelicht hatte. ..

Ja ja ...lange ist es her und seitdem ist viel passiert. Nicht nur dir, ...auch mir ist viel widerfahren … Seine betretene Miene half nicht viel, um weniger betreten zu wirken, vielmehr wirkte Therese fast schon wie beim ersten Date … so unsicher und verlegen, dass es fast schon weh tat.

"Ehm, ja …. du hast davon gehört? … Nun, Titel sind doch nur Schall und Rauch, wie man so schön sagt" Doch ebenso wenig gerne wäre sie ebenfalls nur Schall und Rauch, so ganz ohne Titel: "Oder hast du nur deshalb um eine Audienz gebeten, um mir zu gratulieren?" Zum feiern war Therese genauso wenig zu Mute wie augenscheinlich Thierry und entsprechend reserviert fiel ihre Antwort aus: "Sag mir lieber, ob das Todesurteil gegen dich aufgehoben wurde, … oder … sucht man gar nach dir? … Ich muss dir wohl nicht erklären, wie schnell ich all meine Titel wieder los bin, wenn man mich in Gesellschaft eines Mörders sieht. ...Also sag mir lieber direkt, was du von mir willst. Willst du dich an mir rächen, dass ich damals nicht zu dir gestanden habe? Oder treibt dich gar die Sehnsucht nach meinem Schoß, nach all den Jahren, zurück zu mir?" In der Tat reagierte Therese ziemlich spontan und direkt heraus, was wiederum wenig verwunderlich war, schließlich hatte sie Thierry niemals hintergangen, noch hatte sie danach irgendwelche Ambitionen gehabt dies nach zu holen, ... ebenso wenig, wie sie ihre wahren Gefühle ihm gegenüber einst verheimlicht hatte …
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6

Donnerstag, 16. Januar 2020, 20:13

Thierrys Augen wurden leicht glasig, als das Gespräch auf Thereses Schoß fiel. Er erinnerte sich an die gute alte Zeit. Aber dringende Fragen hatten jetzt Vorrang. Doch er durfte nicht zuviel preisgeben, ehe er nicht Gewissheit hatte, wem ihre Treue galt.

"Das Todesurteil wird derzeit ausgesetzt. Ich bin sozusagen auf Bewährung."

...log er. Wobei sich für ihn die Situation tatsächlich so ähnlich darstellte - solange er sich so verhielt, wie der Seneschall es wollte, durfte er leben.

"Rache? An dir? Wofür? Dass du mich hast fallen lassen wie eine heiße Kartoffel, als die ganze Welt glaubte, dass ich meine Frau ermordet hätte? Du hast so reagiert wie restlos jeder andere. Auch wenn ich immer dachte, dass wenigstens du mir glauben würdest..."

Er konnte seine Enttäuschung nur schwer verbergen. All die Jahre, die er auf der Flucht war... die ganze Zeit, in der er keine vertraute Person an seiner Seite hatte... Und nicht einmal der Versuch von jemandem, die Wahrheit herauszufinden?

"Nein, mich führt etwas ganz anderes hierher..." <...auch wenn ich die Nähe deines Schoßes sehr vermisse...> "Ich nehme an, dir sagt der Name "Duroc" etwas? Man munkelt, er sei jetzt Seneschall hier... "
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7

Donnerstag, 16. Januar 2020, 23:26

<… Sein Todesurteil ist auf Bewährung ausgesetzt worden? …> Damit hatte Therese am aller wenigsten gerechnet. Die Beweislage war damals derart eindeutig und erdrückend gewesen, dass niemand auf der ganzen Welt zu einem anderen Ergebnis hätte kommen können, als zu dem Schluss: "Schuldig!" … und nun das.

Hatte man am Ende doch ein entscheidendes Detail übersehen? Wie konnte das nur sein? < … das kann doch nicht sein … > Therese fühlte sich von Sekunde zu Sekunde unwohler, denn Thierrys Blick und seine Worte wirkten ungleich enttäuschter, denn vorwurfsvoll. An seiner Stelle hätte sie wohl kaum anders reagiert und dies zuzugeben fiel ziemlich schwer < .. Ich wünschte ich hätte dir damals glauben können … > vermochte Therese´s Blick nur stumm zu vermitteln wie leid es ihr tat, dass alles so gekommen war.

"Hättest du an meiner Stelle etwas anders geglaubt? …glauben können?", kam stattdessen eine Frage über ihre Lippen, die keineswegs gerechtfertigt war und deshalb presste Therese sofort die Lippen aufeinander und atmete tief durch. Nein, jeder Versuch sich zu rechtfertigen würde die ganze Sache noch verfahrener machen, als sie ohnehin schon war.

Sollte sie also nun erleichtert darüber sein, dass Thierry offenbar nicht wegen der Schatten der Vergangenheit zurück zu ihr gekommen war, sondern er vielmehr wegen Duroc heute hier war?: "Duroc? …", echote der Name des Seneschalls in ihren Gedanken und Worten mit denen sie Thierry nun verwundert anblickte: "Nach all den Jahren und all dem, was vorgefallen ist, fragst du mich ausgerechnet jetzt, ob mir sein Name etwas sagt?" Mit leicht verengten Augen grübelte Therese angestrengt darüber nach, wo hier ein Zusammenhang hätte sein können: "Man munkelt es nicht nur, er IST der Seneschall. Aber ich denke nicht, dass ich dir damit etwas Neues erzählt habe? … Hat er etwas mit dem Mord zu tun? Das war natürlich rein ins Blaue hinein fantasiert, dass der Seneschall seine Finger bei dem Mord im Spiel gehabt haben könnte. Aber Thierrys plötzliches Auftauchen und die Tatsache, dass die Kaiserin ihr erst kürzlich den Auftrag gegeben hat ein Auge auf den Seneschall zu haben, konnten doch kein Zufall sein, oder doch?
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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8

Donnerstag, 16. Januar 2020, 23:39

Sein Blick weitete sich, als Therese eine Verbindung zwischen Duroc und dem Tod seiner Frau herstellte. Er würde es nicht laut aussprechen, doch hatte er genau diesen Verdacht gehabt. Allerdings kam er bei Duroc nicht dazu, dieses Thema anzusprechen. Jenes Gespräch nahm eine Wendung, die sehr zu seinen Ungunsten erfolgte.
Aber warum kam sie auf diese Theorie? Hielt sie doch irgendwo noch zu ihm oder sollte sie ihn in eine Falle locken?

"Sag du es mir. Ich habe diesen Mann noch nicht wieder gesehen, seit ich zurückgekehrt bin."

Diese Lüge war notwendig, um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen, falls Therese wirklich zu Durocs Leuten gehörte. Da war der Seneschall deutlich: "Unser Treffen hat nie stattgefunden". Wem auch immer er sagte, dass er Duroc kannte, dem musste er schon wirklich sehr vertrauen - und das war bei Therese noch nicht wieder der Fall.
Ihre Antwort auf diese Frage sollte ihm besser alles darüber sagen, ob sie zu den Leuten des Seneschall gehörte oder er ihr vertrauen konnte.

Immerhin schien sie ihm ernsthaft die schwache Lüge zur Aussetzung seines Todesurteils zu glauben. Als ob das hiesige Rechtssystem so etwas erlauben würde - ein seit vielen Jahren zum Mörder verurteilter Mensch soll auf einmal die Möglichkeit haben, sich doch zu rehabilitieren? Bitte... Oder war das auch nur eine Finte von ihr, weil sie wusste, in wessen Hand das Original des Urteils lag?
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9

Freitag, 17. Januar 2020, 00:25

"Dann haben wir etwas gemein. Ich hatte ebenfalls noch nicht das Vergnügen, den Seneschall zu treffen", antwortete Therese prompt und wahrheitsgemäß, doch in einem Detail unterschieden sie: "Aber im Gegensatz zu mir, scheinst du ihm bereits früher einmal begegnet zu sein." Thierry hatte von "wiedersehen" gesprochen, während Therese in der Vergangenheit diesem Duroc noch nie offiziell vorgestellt worden war. Erst seit sie im Auftrag der Kaiserin handelte, verband sie etwas mit dem Seneschall, doch die erste Begegnung stand noch aus.

"Deshalb meine Frage, ob womöglich der Mordfall dich mit ihm verbindet. Zumindest scheinst du dich mehr für ihn zu interessieren als für mich, nach all den Jahren … ", versuchte Therese ihre Gedanken zu erklären - ganz ohne Hintergedanken, aber in der vagen Hoffnung, dass längst noch nicht alles erloschen wäre, was einst sie mit Thierry verband: "Ich würde es dir jedenfalls nicht übel nehmen zumal ich, an deiner Stelle, so handeln würde. Ich kenne - wie gesagt - diesen Duroc noch nicht persönlich, aber ich weiß, dass auch andere Personen ihm und seinen Machenschaften eher skeptisch sehr gegenüber stehen. das kann doch kein Zufall sein, oder?", was ziemlich nichtssagend klingend mochte und doch der Wahrheit entsprach, bezogen auf die Kaiserin, deren Name in diesem Zusammenhang natürlich niemals über ihre Lippen kommen würde.

"Also ..was genau erwartest du von mir? … Oder besser gesagt, was kann ich tun, dass du mir irgendwann vielleicht wieder vertrauen wirst?", fragte Therese frei heraus, indem sie die Arme aufstütze und sich ihm so entgegen beugte. Zwar war sie sich (noch) nicht sicher, ob sie jemals wider so mit einander umgehen könnten, wie vor Jahren, doch sah sie durchaus die Möglichkeit, in Barras eventuell einen Verbündeten zu finden, um so zumindest ihre persönlichen Ziele weiter verfolgen zu können.
Therese Cabarrus
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10

Freitag, 17. Januar 2020, 00:36

Er war erleichtert über ihre Antwort. Therese war aus seiner Sicht noch nie eine gute Lügnerin gewesen - und diese Antworten kamen so frei, so spontan, dass fast alle Zweifel beseitigt waren. Sein Gesichtsausdruck entspannte sich ein wenig. In einer fast schon verschwörerischen Geste legte er seine Hände seitlich auf den Tisch und senkte den Kopf.

"Tut mir leid, Therese. Ich weiß nicht mehr, wem ich hier überhaupt noch trauen kann. Das Empire hat sich so verändert... Man hat das Gefühl, an jeder Ecke säßen Missgunst, Zwietracht und Neid und spielten Skat."

Die Skat-Metapher hatte er schon früher häufig benutzt, wenn auch in einem ganz anderen Zusammenhang.

"Dass ich Duroc von früher kenne, ist eigentlich kein Geheimnis. Auch wenn 'kennen' übertrieben ausgedrückt ist.
Ob er was mit dem Mord an Hortense zu tun hat? Die Frage habe ich mir schon oft gestellt...
"
<...vor allem in den letzten paar Tagen...> "...aber ich weiß keine Antwort."

Dass Therese diese Frage jetzt zum zweiten Mal stellte, gab ihm noch etwas mehr Vertrauen und Hoffnung.

"Du... du glaubst mir endlich, dass ich es nicht wahr?"

Natürlich interessierte er sich mehr für sie als für Duroc. Aber noch mehr interessierte er sich in erster Linie dafür, den eigenen Hals zu retten. Und sie saßen in einem öffentlichen Restaurant - Durocs Männer konnten hier auch überall sein.
Er war sich sicher, dass außer Duroc niemand die Chuzpe haben würde, seine Ehefrau kaltblütig ermorden zu lassen und es ihm - Thierry - selbst in die Schuhe zu schieben. Zumindest fiel ihm niemand ein. Doch er konnte es nicht beweisen. Und er konnte nicht frei recherchieren. Er hatte keine Kontakte zu den Ermittlungsbehörden, konnte keine Einsicht in Akten nehmen... Da kam ihm eine Idee.

"Hast du als Duchesse jetzt eigentlich weitergehende Befuginsse? Könntest du, sagen wir mal... Polizeiakten einsehen?"
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11

Freitag, 17. Januar 2020, 23:15

Gefühlt schienen sich einige Missverständnisse und Vorwürfe von damals Stück für Stück zu klären, die zwischen ihnen standen. Das war soweit gut und dem verschloss sich Therese auch nicht. Die Zweifel überwogen allerdings (noch), ob sie einander jemals wieder vertrauen konnten:

"Ja in der Tat. Das Empire hat sich verändert und es ändert sich weiter. Und wir müssen uns den Veränderungen anpassen und das Spiel mit spielen, wenn wir nicht irgendwann auf der Strecke bleiben wollen" pflichtete Therese ihrem Gegenüber bei, was allerdings keine bahnbrechend neue Erkenntnis wäre. So tickte die Welt schließlich seit jenem Tag, an dem der Mensch vom Baum herab gestiegen war.

Thierry wirkt ein wenig entspannter und auch Therese löste sich aus ihrer aufrechten Haltung. Die Ellbogen auf dem Tisch abstützend legte sie das Kinn auf die gefalteten Hände und beugte sich ihm so entgegen. Es wirkte ein klein wenig vertrauter und so konnten sie mit gesenkten Stimmen weiter sprechen. < …Aber Moment mal! Was soll das jetzt … > Als Thierry fragte ob sie ihm endlich glaubte und ob sie als Duchesse Zugriff auf Polizeiakten hätte, spannte sich ihr Körper augenblicklich wieder.

Mit einem Schlag fühlte sie sich in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher. Das lag aber nicht Thierry und seinen Fragen sondern vielmehr an der spontanen Eingebung, dass dieser Ort womöglich ausspioniert wurde. Überall hätten Mikrofone versteckt sein können und der halbe Staatsapparat lauscht mit. Für jemandem mit Verfolgungswahn der perfekte Anlass um genau jetzt hysterisch schreiend aus dem Fenster zu springen.

Das tat Therese natürlich nicht, ebenso wenig wie sie an Verfolgungswahn litt. Aber das könnte sich durchaus ändern, jetzt da sie selbst für die Kaiserin spionieren sollte. Auch auf die Gefahr hin, dass sie Thierry jetzt vor den Kopf stoßen würde: < … Wir dürfen eigentlich nicht hier sein. Und schon gar nicht dürfen wir uns hier über solche Dinge unterhalten. Hoffentlich kapiert er, was ich ihm jetzt sagen will …>

Mit einem flüchtigen Blick in die Runde öffnete Therese ihre Handtasche und begann darin zu kramen. Sie zog ein Notizbüchlein heraus und begann hektisch etwas hinein zu kritzeln. Gleichzeitig klang ihre Stimme mit einem Mal sehr unterkühlt und abweisend:

"Weißt du Thierry, Ich glaube eigentlich an gar nichts und niemanden mehr. Damit bin ich in den letzten Jahren ganz gut gefahren und so kann ich zumindest nicht mehr enttäuscht werden." Ob er sich fragte, was in sie gefahren war? Gut möglich, doch es ging noch weiter:

"Du willst Einsicht in die Polizeiakten? Dann wende ich am besten an den Polizeiminister. Hier hast Du seine Nummer. Aber lass mich dabei aus dem Spiel!", klang es laut und deutlich aus ihrem Mund während sie das beschriebene Blatt aus dem Büchlein riss. Einmal gefaltet schob sie das Blatt über den Tisch und im selben Atemzug hatte sie sich erhoben:

"Wenn du mich kurz entschuldigen würdest. Ich brauche dringend eine Zigarette" Mit diesen Worten verließ Therese den Speisesaal, ohne weiter auf Thierry zu achten, um in den Garten zu gehen. Dieser grenzre direkt an das Hotel und dort wäre es wohl ungleich schwerer sie zu belauschen.

Zurück blieb nur der Zettel, auf dem geschrieben stand:

Nicht hier drinnen. Wenn du ganz offen mit mir reden willst, dann folge mir nach draußen!
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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12

Freitag, 17. Januar 2020, 23:22

Ein Lächeln umspielte sein Gesicht, als auch Thereses Körperhaltung entspannter wurde. Wie sie ihm da gegenüber saß, den Kopf auf die Hände gestützt... Auf einmal kamen viele Gefühle hoch, von denen er dachte, dass er sie weit weg geschlossen hätte. Bis ihm fast die Luft weg blieb.

<Was ist denn jetzt in sie gefahren?>

Verwirrt schaute er ihr hinterher. So plötzlich ist sie aufgestanden, so hektisch war sie auf einmal - hatte er etwas Falsches gesagt? Und warum hat sie so laut über die Polizeiakte gesprochen - wollte sie ihn auffliegen lassen?

Paranoid schaute er sich um und rechnete damit, hinter ihm vier von Durocs Männern zu sehen, die ihn direkt exekutieren würden... Doch nichts dergleichen passierte.
Verwirrt atmete er durch und legte die Hand auf den Tisch. Er spürte den Zettel, den Therese ihm hingelegt hatte. Neugierig entfaltete er ihn, las die kurze Notiz und war nun vollends verwirrt. Wurden sie hier beschattet?
Thereses Verhalten ließ ihn wieder ein wenig zweifeln. Im Garten waren sie unbeobachtet - zumindest weniger beobachtet als hier. Doch das gab ihr auch mehr Möglichkeiten für einen Hinterhalt.

Zaghaft stand er auf, ging mit langsamen Schritten zur Tür in Richtung Garten, schaute vorsichtig hinaus - doch er konnte nichts erkennen. Vorsichtig ging er in den Garten, während er sich in alle Richtungen umsah. Als er in Thereses Hörweite kam, sagte er:
"Was... was war das denn gerade?" <Herrgott, ich würde gerne einfach jemandem hier vertrauen kann. Schönheit, du hast mir schon früher den Kopf verdreht, aber damals auf eine angenehmere Art als in diesem Moment...>
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13

Freitag, 17. Januar 2020, 23:53


"Was... was war das denn gerade?"


"Was das gerade war? … Das sollte besser ich dich fragen! …", fuhr ihm Therese mit zischender Stimme regelrecht entgegen, als er ihr endlich nach gekommen war. Sie stand im Schatten eines Baumes und wirkte ziemlich angespannt, kurz einen Zug an der besagten Zigarette nehmend, ehe sie leise weiter sprach.

"Ein verurteilter Mörder, der eine frisch ernannte Duchesse danach frägt, ob sie mal eben Einblick in die Polizeiakten nehmen könnte? … Bist du wahnsinnig? … Solche Fragen in aller Öffentlichkeit!" Vorwurfsvoll blickte Therese in seine Augen, als ob er den Verstand verloren hatte. Ihre Augen verrieten aber auch die Neugier, die sie plagte und das wiederum ließ unschwer erkennen, dass sie durchaus gewillt war ihm zu helfen:

"Was willst du überhaupt mit den Polizeiakten? … Und um wessen Akten geht es?"
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14

Samstag, 18. Januar 2020, 00:10

Eigentlich müsste er durch Therese eingeschüchtert sein. Doch das Gegenteil war der Fall: Er lächelte.
Sie hatte nichts von ihrem Feuer verloren. Ihre Leidenschaft, ihr Temperament - vor einigen Jahren hätte er sie in so einem Moment einfach geküsst und sie hätten eine Spur der Verwüstung hinter sich gelassen (ebenso wie ihre Kleidung).
Doch jetzt gerade hatte er diese Option nicht, auch wenn er sich sehr zusammenreißen musste.

Ihren irritierten, neugierigen Blick auffangend, sagte er ruhig:

"Ich habe mein Ziel erreicht, n'est-ce pas? Ich hatte deine Neugier... aber jetzt habe ich deine volle Aufmerksamkeit."

Normalerweise handhabte er es umgekehrt und ließ seine Aufmerksamkeit wecken. So fühlte sich das also an... interessant...

"Um wessen Akten soll es schon gehen? In erster Linie um meine... und... vielleicht noch um die von jemand anderem. Das weiß ich nicht, das kann ich erst sagen, wenn ich die Fehler bei den Ermittlungen gegen mich sehe! Therese, ich sagte es damals und ich sage es weiterhin - ich habe niemanden umgebracht."
<..noch nicht. Wenn sich mein Verdacht bestätigt, könnte es anders aussehen...>

Feuer loderte in seinen Augen. Er flehte Therese nicht an - er sprach sehr ruhig, mit einem Unterton, der deutlich machte "Ich bin bereit, alles zu geben".

"Ich habe doch nichts zu verlieren. Ganz Outremer sieht mich als Mörder an, dann kann ein bisschen Schnüffelei es nicht noch schlimmer machen. Hortense ist tot und wird nicht wiederkommen. Und dich... dich habe ich damals mit ihr zusammen verloren, zumindest dachte ich das."

Er nahm ihre Hand und schaute ihr in die Augen - in seinem Blick konnte sie die neu entfachte Leidenschaft ebenso sehen wie die Trauer eines Mannes, der auf einen Schlag alles verloren hatte.

"Therese... ich wusste nicht, warum ich nach Outremer zurückkehren wollte... Bis heute."

Doch Moment... warum wollte Duroc sie im Senat haben? Er durfte nicht vergessen, wessen Handlungsanweisungen er zu folgen hatte, wenn er weiterhin leben wollte. Therese wirkte nicht ansatzweise wie eine Marionette Durocs, eher im Gegenteil. Doch ehe er diesen Gedanken weiter verfolgen wollte, legte er eine Hand an ihre Wange und schaute sie an. Ließ sie diese Berührung zu? Spürte sie sein Verlangen, sie zu küssen?
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15

Montag, 20. Januar 2020, 07:37

Therese kannte diesen Blick, mit dem Thierry sie schon damals in seinen Bann zu ziehen vermochte. Ein Blick voller Leidenschaft und Feuer in den Augen. Nicht umsonst war Thierry einer der wenigen Männer in ihrem Leben, mit denen sie Erinnerungen an eine besonders leidenschaftliche Affäre teilte.<Ob er im Augenblick daran denkt, wie wir …. Damals, … wie wir uns …> Therese zuckte unmerklich zusammen als er ihre Hand ergriff, doch sie wich nicht zurück noch wehrte sie sich gegen die sanfte Berührung ihrer Wange.

Allerdings fiel es ihr schwer sich auf seine Worte zu konzentrieren und richtig zu deuten. Was genau hatte er vor und weshalb ist er erst jetzt - nach all den Jahren - nach Outremer zurück gekehrt? <Oh nein, sag jetzt bloß , dass du ausgerechnet wegen mir zurück gekommen bist, … du verdammter Lügner!>

Andererseits konnten Therese´s leuchtende Augen nur schwer verhehlen, dass auch in ihr das Feuer der Leidenschaft zu ihm noch längst nicht verloschen war. Das Verlangen nach ihm und dem, was sie im Grunde von ihm hören wollte: <Wegen mir …und dem, was zwischen uns gewesen ist …>

"Nun ich, ehm … ich kann dir diese Akten sicher besorgen. … Mit etwas Zeit …Die Frage ist nur, ob…wir genügend Zeit haben … " Therese´s Stimme drohte zu versagen beim Versuch sachlich zu bleiben. In der Tat ging sie aber davon aus, dass man ihr Thierry´s Akten jederzeit aushändigen würde - spätestens wenn sie die Kaiserin darum bitten würde.

"Aber glaub ja nicht, dass ich wegen dir meinen Kopf riskieren werde! … Oder ich mich gar wieder auf dich einlasse …", fügte Therese dieses Mal mit etwas gefestigter Stimme hinzu, obgleich ihr Blick und ihre bebenden Lippen etwas anderes vermuten ließen. Egal was passieren würde, es war in jedem Fall eine Dummheit sich auf seine Bitte einzulassen und noch eine noch größere Dummheit wäre es das Feuer zwischen ihnen erneut zu entfachen.

Andererseits hielt sie längst das Zündholz in der Hand, bereit damit zu zündeln sofern auch er dazu bereit wäre. … Bereit zu tun, wonach ihm just in dem Moment gelüstete ...
Therese Cabarrus
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16

Montag, 20. Januar 2020, 13:01

Thierry lächelte sie verschmitzt an. Bei aller Sachlichkeit entging ihm nicht ihr Blick - und auch nicht, dass er ihre Berührung zuließ. Er war zwiegespalten - seine Gefühle für sie waren echt und doch durfte er kein zu großes Risiko eingehen. Er konnte ein Meister der Manipulation sein, aber ebenso gut alle Hüllen fallen lassen (im übertragenen wie im wörtlichen Sinne).

"Ich bin nicht in der Position, von dir irgendetwas zu verlangen, noch etwas zu erwarten..."

Er hauchte diese Worte mehr, als dass er sie sagte, während sein Gesicht dem ihren immer näher kam.

"...aber ich will wieder ein freier Mann sein. Ich will das Leben zurück haben, das man mir nahm. Und mir läuft die Zeit davon."

<Wer von uns riskiert denn gerade seinen Kopf für den anderen?>

Die nächsten Worte hauchte er sehr langsam und bedächtig.

"Und sollte irgendetwas... schiefgehen... möchte ich nicht... das Gefühl haben... ich hätte etwas verpasst..."

Mit diesen Worten nahm er ihr Gesicht sanft in beide Hände und küsste sie wie damals, als sie beide zwar nicht sorgenfrei waren, aber immerhin um niemandes Leben fürchten mussten.
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17

Mittwoch, 22. Januar 2020, 07:14

Es war Thierry nicht zu verdenken, dass er gerne sein Leben zurück gehabt hätte und er dafür einiges riskierte. < Will er sein früheres Leben inklusive mir und dem was zwischen uns war? Oder will er mich nur benutzen? > So wie viele andere Männer sie schon benutzt hatten, in ihrem Leben, oder es zumindest versucht hatten. Aber Therese hatte mit jeder Enttäuschung dazu gelernt und heute war sie grundsätzlich immer misstrauisch.

Therese konnte nicht anders als Thierry zu misstrauen, was aber nicht hieß, dass sie Thierry nicht helfen wollte. Dazu klangen seine Worte wiederum zu überzeugend, … und wirkte sein Blick zu ehrlich … und schmeckte sein Kuss…. < mmmmmmh ….> zu süß und verlockend …

Für einen Augenblick blendete Therese jeden Gedanken aus und genoss einfach nur die Berührung seiner warmen Lippen. Nein, sie wollte auch nicht das Gefühl haben sie hätte etwas verpasst und dementsprechend schmiegte sie sich an ihn und überließ es ihm, wann der Kuss wieder enden sollte.

Doch alles hatte irgendwann ein Ende, so auch dieser schöne Moment und all die Gedanken, Zweifel, Hoffnungen … all das Misstrauen kamen langsam zurück:

"Nun gut. Ich helfe dir … aber ich warne dich, falls du vor hast irgendein falsches Spiel mit mir zu spielen!", wisperte Therese noch trunken von dem Kuss, sodass ihre "Drohung" vielleicht scherzhafter klang als gemeint. Sanft löste Therese sich von ihm und verstohlen wanderte ihr Blick kurz umher, ehe sie Thierry wieder tief und eindringlich in die Augen blickte: "Also hast du irgendeinen Plan, wie du vorgehen willst? Und glaubst du wirklich, dass der- oder diejenigen, die dich für schuldig erklärt haben, irgendeinen Hinweis in deinen Akten zurück gelassen haben? … Wer könnte überhaupt ein Interesse daran gehabt haben, deine Frau zu töten und dich anschließend als den Mörder hinzustellen?"
Therese Cabarrus
Comtesse de Belleville et Duchesse de Bari
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Thierry Barras

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18

Mittwoch, 22. Januar 2020, 08:25

Er genoss den Kuss und alles, was er für ihn ausdrückte. Er hatte ihr Vertrauen zurückgewonnen, da war er sich sicher. Zumindest gab sie ihm die Chance, die ihm bisher verwehrt war.

"Es geht mir weniger darum, was in den Akten steht, sondern darum, was da gerade nicht steht. Fehlblätter, Manipulationen, durchgestrichene Textteile, vielleicht interne Notizen... So etwas in dieser Richtung."

Was er als nächstes sagen würde, kam ihm nur schwer über die Lippen, denn er hatte einen vagen Verdacht, wer dahinter stecken könnte. Den konnte er hier allerdings noch nicht äußern... Doch er hatte eine sehr genaue Idee vom Motiv... Doch das Therese zu erzählen fiel ihm noch schwerer.

"Wer? Keine Ahnung. Aber... es muss jemand gewesen sein, der scharf auf den Thron war. Denn Hortense... du kennst ja ihre Abstammung... naja, sie war... schwanger. Das Kind hätte vielleicht oder vielleicht auch nicht irgendwann Anspruch auf den Thron haben können."

Ob seine verstorbene Frau sein Kind oder das eines anderen in ihrem Bauch getragen hatte, konnte nie abschließend geklärt werden. Deshalb fügte er hastig hinzu, noch ehe Therese antworten konnte:

"Ich habe keine Ahnung, von wem sie schwanger war. Davon habe ich selbst erst kurz vor ihrem Tod erfahren. Wer auch immer dahinter steckt, wollte mich und das Kind aus dem Weg haben, da bin ich mir sicher!"

Es war raus und er war unsicher, was Therese mit dieser Information anfangen würde. Wäre sie eine der Schergen Durocs, würde sie wahrscheinlich Empathie heucheln - oder Empörung. Und war sie keine, würde sie echte Empathie zeigen - oder Empörung. Darum achtete er ganz genau auf jede einzelne Regung, jedes Augenzucken, jeden Blick, jedes bisschen Körperspannung - was auch erklärte, warum er ihre Handgelenke hielt, als er ihr davon erzählte.
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

19

Donnerstag, 23. Januar 2020, 07:33

Tatsächlich war das zuletzt Gehörte ein Schock, zumal Therese keinerlei Ahnung von der Schwangerschaft gehabt hatte. Naja, Hortense und sie waren alles andere als Freundinnen. Eher das Gegenteil war der Fall und das hatte zwei gute Gründe: Erstens Hortense´s verwandtschaftliche Beziehungen zu den Ex-Kaiserin und zweitens die Tatsache, dass Thierry mit ihr verheiratet gewesen war und er deshalb nie frei für Therese war.

<Und als Dank dafür wollte sie ihm also einen Braten unterschieben? Tzzz, dieses Luder. Geschieht ihr ganz recht, dass man sie … >

Thereses Blick schien kurz ins Ferne zu schweifen, während sie einige Sekunden nur da stand. Nur ihre Nasenflügel bebten leicht und ihre Lippen wirkten zusammengepresst während ihre Hände aber ruhig in denen von Thierry ruhten. Für ihn tat es ihr leid und ihm galt ihr Mitgefühl dafür, dass man ihm so übel mitgespielt hat. Seine Existenz war zerstört worden und im Prinzip auch die eines unschuldigen Ungeborenem, weil vielleicht der skrupelose Vater Angst um den Thron gehabt hatte.

"Das … sind in der Tat schockierende Neuigkeiten, auch für mich. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ….SIE …schwanger war.", musste Therese schließlich um ihre Stimme und Fassung ringen und unbewusst drückte sie seine Hände dabei ein wenig fester. Ihr Blick glitt aus der Ferne zurück zu Thierry und sie sah ihm tief und verbunden in die Augen. Und nun? Sollte sie ihn einfach umarmen und küssen? Nein, das kam ihr in diesem Moment falsch vor, stattdessen wechselte sie seine rechte Hand zwischen ihre beiden Hände, zog sanft daran und küsste lediglich seinen Handrücken zum Zeichen ihrer Verbundenheit.

"Du hast viel durch machen müssen. Nun ist es an der Zeit, dass du dein Leben zurück bekommst. Wer auch immer dahinter steckt, … wir werden es heraus finden", bestätigte Therese ihr Versprechen ihm helfen zu wollen und da sie ihn mit ihren Recherchen nicht in noch größere Schwierigkeiten bringen wollte, fragte sie sicherheitshalber erst nach, ehe sie folgenden Plan in Angriff nehmen würde:

"Ich denke es ist kein Problem an deine Akten zu kommen. Der Polizeiminister oder die Kaiserin werden mir sicher die Erlaubnis zur Einsicht geben, vorausgesetzt ich kann einen triftigen Grund nennen. … Ich könnte zum Beispiel sagen, dass ich mir wegen deiner plötzlichen Rückkehr Sorgen um meine eigene Sicherheit mache und ich deshalb gerne mehr Informationen über dich hätte. Wäre das ein guter Plan, oder hatte Thierry vielleicht eine andere Idee … < Oder soll ich die Akten gar unbemerkt entwenden?> Was ja auch eine Option wäre.
Therese Cabarrus
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Thierry Barras

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20

Donnerstag, 23. Januar 2020, 11:36

Er atmete erleichtert aus, als Therese wegen der Schwangerschaft nicht ausflippte, sondern im Gegenteil ihr Versprechen wiederholte, ihm zu helfen. Das war mehr, als er zu träumen gewagt hatte - und doch das, worauf er gehofft hatte.
Aber wie sollten sie es am geschicktesten angehen? Die Lüge mit seiner "Bewährung" war schließlich noch in der Welt und er hatte das Gefühl, dass er besser der Polizei nicht in die Arme laufen sollte. Es musste einen geschickteren Weg geben.

Du solltest meine Rückkehr nicht bei der Polizei erwähnen - erstmal. Ich weiß nicht, wie schnell die Behörden mittlerweile kommunizieren. Für die meisten dürfte ich noch ein verurteilter Mörder sein, der bei der ersten Sichtung zu exekutieren ist. Darum muss ich versuchen, mich erst einmal so verdeckt wie möglich zu geben, was öffentliche Institutionen angeht. Im Alltag funktioniert das am besten dadurch, dass ich so offen wie möglich auftrete, weil man das nicht von mir erwarten würde. Aber in eine Polizeistation oder gar zum Polizeiminister zu gehen und zu sagen "Hey, habt ihr die Akte des flüchtigen verurteilten Mörders gerade zur Hand? Ich wollte mir die mal ansehen, der ist nämlich wieder da" - das wäre Wahnsinn. Du würdest dich damit unnötig in Gefahr begeben. Man würde vielleicht sogar versuchen, dir etwas anhängen zu lassen...

Er war wirklich besorgt um ihre Sicherheit. Jetzt war sie nicht bloß ein Schatten der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Teil der Gegenwart und seine bisher einzige Verbündete.

"Nein, wir müssen da geschickter vorgehen. Du könntest vorgaukeln, dir einen Eindruck von guter Polizeiarbeit machen zu wollen. Auf diese Schleimereien fallen einfachere Leute gerne mal rein..."
<...vor allem, wenn sie von einer so gutaussehenden Frau wie dir kommen...>
"Oder du gibst vor, durch eigene Recherchen neue Beweise in dem Fall gefunden zu haben oder es zu vermuten. Um der Polizei und der Justiz unnötige Arbeit zu ersparen, möchtest du aber prüfen, ob diese Beweise schon bekannt sind oder die Ermittlungsergebnisse die Beweise ausschließen."

Er wusste, dass die Ideen mit der heißen Nadel gestrickt waren und hatte keine Ahnung, wie gut Therese darin geworden war, ihren Willen durch gute Schauspielerei zu bekommen. Darum wurde er nervöser, als er hätte sein müssen.

"Therese, meine Liebe... Bitte tu nichts, was dich gefährden oder meine Rückkehr bekanntgeben würde. Komm bloß nicht auf die Idee, irgendetwas zu stehlen. Jedenfalls nicht selbst. Allerdings gibt es Leute, die für Geld wirklich alles tun..."

Seine Nervosität wich einem gerissenen Lächeln. Er wusste zwar nicht, wen man beauftragen könnte - aber mit Korruption, Bestechung und unmoralischen Angeboten kannte er sich aus. Das hatte ihm selbst damals ein kleines Vermögen eingebracht - seine Macht in der Politik dem Meistbietenden zu verkaufen. Wusste Therese davon?
Senator Thierry Barras
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