Gefühlt schienen sich einige Missverständnisse und Vorwürfe von damals Stück für Stück zu klären, die zwischen ihnen standen. Das war soweit gut und dem verschloss sich Therese auch nicht. Die Zweifel überwogen allerdings (noch), ob sie einander jemals wieder vertrauen konnten:
"Ja in der Tat. Das Empire hat sich verändert und es ändert sich weiter. Und wir müssen uns den Veränderungen anpassen und das Spiel mit spielen, wenn wir nicht irgendwann auf der Strecke bleiben wollen" pflichtete Therese ihrem Gegenüber bei, was allerdings keine bahnbrechend neue Erkenntnis wäre. So tickte die Welt schließlich seit jenem Tag, an dem der Mensch vom Baum herab gestiegen war.
Thierry wirkt ein wenig entspannter und auch Therese löste sich aus ihrer aufrechten Haltung. Die Ellbogen auf dem Tisch abstützend legte sie das Kinn auf die gefalteten Hände und beugte sich ihm so entgegen. Es wirkte ein klein wenig vertrauter und so konnten sie mit gesenkten Stimmen weiter sprechen.
< …Aber Moment mal! Was soll das jetzt … > Als Thierry fragte ob sie ihm endlich glaubte und ob sie als Duchesse Zugriff auf Polizeiakten hätte, spannte sich ihr Körper augenblicklich wieder.
Mit einem Schlag fühlte sie sich in der Öffentlichkeit nicht mehr sicher. Das lag aber nicht Thierry und seinen Fragen sondern vielmehr an der spontanen Eingebung, dass dieser Ort womöglich ausspioniert wurde. Überall hätten Mikrofone versteckt sein können und der halbe Staatsapparat lauscht mit. Für jemandem mit Verfolgungswahn der perfekte Anlass um genau jetzt hysterisch schreiend aus dem Fenster zu springen.
Das tat Therese natürlich nicht, ebenso wenig wie sie an Verfolgungswahn litt. Aber das könnte sich durchaus ändern, jetzt da sie selbst für die Kaiserin spionieren sollte. Auch auf die Gefahr hin, dass sie Thierry jetzt vor den Kopf stoßen würde:
< … Wir dürfen eigentlich nicht hier sein. Und schon gar nicht dürfen wir uns hier über solche Dinge unterhalten. Hoffentlich kapiert er, was ich ihm jetzt sagen will …>
Mit einem flüchtigen Blick in die Runde öffnete Therese ihre Handtasche und begann darin zu kramen. Sie zog ein Notizbüchlein heraus und begann hektisch etwas hinein zu kritzeln. Gleichzeitig klang ihre Stimme mit einem Mal sehr unterkühlt und abweisend:
"Weißt du Thierry, Ich glaube eigentlich an gar nichts und niemanden mehr. Damit bin ich in den letzten Jahren ganz gut gefahren und so kann ich zumindest nicht mehr enttäuscht werden." Ob er sich fragte, was in sie gefahren war? Gut möglich, doch es ging noch weiter:
"Du willst Einsicht in die Polizeiakten? Dann wende ich am besten an den Polizeiminister. Hier hast Du seine Nummer. Aber lass mich dabei aus dem Spiel!", klang es laut und deutlich aus ihrem Mund während sie das beschriebene Blatt aus dem Büchlein riss. Einmal gefaltet schob sie das Blatt über den Tisch und im selben Atemzug hatte sie sich erhoben:
"Wenn du mich kurz entschuldigen würdest. Ich brauche dringend eine Zigarette" Mit diesen Worten verließ Therese den Speisesaal, ohne weiter auf Thierry zu achten, um in den Garten zu gehen. Dieser grenzre direkt an das Hotel und dort wäre es wohl ungleich schwerer sie zu belauschen.
Zurück blieb nur der Zettel, auf dem geschrieben stand:
| Nicht hier drinnen. Wenn du ganz offen mit mir reden willst, dann folge mir nach draußen! |