Er spürte, wie das Erkunden ihres Körpers ihn nach mehr verlangen ließ. Eine Runde 2 hatte er nie kategorisch ausgeschlossen - und er fand an der Vorstellung immer größeren Gefallen. Allerdings: Es gab jetzt etwas Ernstes zu besprechen. Er bemühte sich, Therese in die Augen zu schauen - ein Unterfangen, das er zwar gut durchhielt, aber immer wieder mit einem Blick auf ihren Körper abbrechen musste. Alle Runden, alle Kleinigkeiten an ihrem Körper - der Leberfleck schräg unter der linken Brust, das unauffällige Muttermal knapp vor der rechten Schulter... Er erinnerte sich an jedes einzelne von ihnen. Und als sie von ihrem Domizil in Morgaine erzählte, kamen auch sehr viele schöne Erinnerungen an diese Zeit hervor.
Ja, ihre Alibi-Idee war gut. Sie mussten vielleicht noch an der Begründung dafür, dass dieses Alibi in seinem Prozess nicht ansatzweise zur Sprache kam, etwas feilen - aber immerhin hatten sie endlich etwas. Oder hatten sie das nicht?
<Ich war nicht weit entfernt, als es passierte. Und wenn ich Duroc gesehen habe - hatte er mich dann auch gesehen?>
Vehement schüttelte er den Kopf.
"Nein, hatten sie nicht. Aber... Duroc hätte gerne. Das hat man sehr deutlich gemerkt. Wer weiß, ob sie ihn vielleicht sogar hätte gewähren lassen, wenn sie gewusst hätte, wie lange du und ich uns da schon getroffen hatten... Therese, ich verstehe die Zusammenhänge selbst nicht komplett und es verwirrt mich unglaublich. Sie war schwanger, Duroc machte ihr Avancen... Hatten sie vielleicht sogar mal etwas miteinander und das Kind wäre von ihm gewesen? Hatte sie ihn deshalb abblitzen lassen - weil das Kind de lege meins gewesen wäre wegen der bestehenden Ehe, egal wer es gezeugt hatte?"
<Soweit ich weiß, hätte es fast jeder sein können...>
Als könne er dadurch seine Gedanken besser sortieren, vergrub er kurzzeitig sein Gesicht in Thereses Ausschnitt und schaute mit seinem verschmitzten Lächeln nach oben. Er konnte nicht anders, Therese machte ihn wahnsinnig - und wahnsinnig glücklich. Doch das Lächeln verschwand relativ schnell wieder.
"Es war... es ging alles so schnell. Ich... ich kriege das alles nicht mehr richtig zusammen. Aber ich weiß mit Sicherheit, dass kurz vor ihrem Tod Duroc bei ihr in der Nähe war. Ob er mich gesehen hat - keine Ahnung. Ob jemand anders bei ihm in der Nähe war - keine Ahnung. Und wie es tatsächlich passiert ist... Ich weiß es nicht.
Aber erst, seit ich wieder in Outremer bin, bin ich mir sicher, dass es Duroc gewesen sein muss. Diese Kleidung, diese Körperhaltung, die Stimme... ich hatte sein Gesicht ja nicht gesehen."
Er ärgerte sich, dass er so unaufmerksam gewesen war. Aber er war sich absolut sicher, dass es niemand anders hätte sein können. Als er endlich wieder genug Blut im Kopf hatte, um eins und eins zusammenzuzählen, verfinsterte sich sein Gesicht. In ihm stieg eine Wut auf, die er vorher nicht kannte - und sie war gepaart mit Verzweiflung. Ausgerechnet der Mörder seiner Frau hatte sein Leben in Form des Urteils in der Hand. Oh bittere Ironie des Schicksals...
Natürlich würde der Seneschall nie zugeben, eine Frau umgebracht zu haben. Viel zu viel stand für ihn auf dem Spiel - und viel zu sehr würde man ihm lieber eine Lüge glauben. Er war in Outremer recht angesehen, das hatte Thierry durch Zeitungsartikel und die Gespräche auf den Straßen feststellen können. Also gab es nur eine Möglichkeit für ihn, zu entkommen...
Mit festem, versteinertem Blick schaute er Therese in die Augen und sagte langsam, leise, aber entschlossen
"Duroc muss sterben."