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Freitag, 28. Februar 2020, 23:14

Le vernissage

Dass die Gandhotels heutzutage nicht nur die Orte für ein paar Übernachtungen sind, ist jedem klar. Die Veranstaltungen jeglicher Art, Seminare, Konferenzen, Mode, Geschäfte, Feier, Presskonferenzen und natürlich öffnen sie ihre gastfreundlichen Tore für Galerien, ausstellungen, Poesie, Theaterstücke. Leonor war vernarrt in die Kunst des Mittelalters. Doch sie war auch für die moderne Künstlich offen. Auf jeden Fall bekam sie eine persönliche Einladung zur Eröffnung der Galerie der mordernen Kunst im Hotel. 5 talentierten jungen Künstler durften ihre Werke präsentieren und darauf hoffen, dass diese auch gekauft werden.

Leonor war in Begleitung von zwei Bodygards. Der Manager kam persönlich Prinzessin zu begrüßen, sowie die Galeristin und ein paar Leute, die Leonor vollkommen unbekannt waren. Doch sie lächelte tapfer und beantwortete tausende Fragen über ihre eigene Person, stellte auch Fragen zur Galeire und deren Eröffnung. Valerie wäre stolz auf ihre kleine Schwester. Leonor war vorbildlich höflich. Ihr Studium half ihr nicht blondie auszusehen. Irgendwann spürte sie die Müdigkeit in den Mundwinkeln von so langelm Prinzessinnen-Grinsen. Endlich durfte sie die Schleife zerschneiden und ein paar Worte sagen. Gott sei dank entschied Leonor keine zwei Stunden die Rede zu halten und nicht zu ernst zu bleiben. Es war eine ausgezeichnete Empfehlung, die sie in Wirklichkeit umgesetzt hatte. Nun war ihre Sternstunde vorbei und die Leute verteilten sich im Raum. Die Bilder waren nicht schlecht, doch Leonor fand sie statisch. Sie sah keinen Fortschritt, keinen Geniefunken. Es war zu vorgesehen. Die Farben, die Stellung. Alles war langweilig. Sie blieb vor einem Bild stehen. Auf den ersten Augenblick nichts besonderes, nur vermischte Farben, verlaufene Konturen. Leonor verstand nicht einmal sofort, was sie da sah. Doch dann lächelte sie und rieb ihr Kinn.
"Interessant, interessant" murmelte sie leise.
Leonor Beauharnais de Margaux
Princess du Sang - Prinzessin von Geblüt
Princesse de Guyenne
Seigneuresse de Margaux

Thierry Barras

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2

Samstag, 29. Februar 2020, 00:01

Thierry hielt es nicht mehr aus, sich verdeckt zu halten und darauf zu hoffen, dass irgendwer irgendwie irgendwann mal einen Erfolg in seiner Sache erzielen konnte. Die Aufgabe erschien ihm unlösbar und er wusste, dass Therese alles gab - aber ihm war nach Abwechslung.
Als er ein Plakat zur Vernissage im Savoy Truffle sah, lächelte er. Die perfekte Gelegenheit, sich mal wieder unter Leute zu mischen, Kontakte zu knüpfen und Vorteile herauszuschlagen.
Natürlich konnte er nicht als Thierry Barras dort auftauchen. Das wäre Wahnsinn gewesen, denn er war sich immer noch sicher, dass er als gesuchter, verurteilter Mörder galt. Und es war auch davon auszugehen, dass Duroc und seine Schergen im Hotel auftauchen würden - gerade nach dem Skandal mit dem verwüsteten Hotelzimmer dieses einen Staatsgastes... wie hieß er noch gleich? Irgendwas zu essen... Kartoffelbrei? Irgendwie sowas.

Also band er seine mittlerweile fast schulterlang gewachsenen Haare mit einer dicken schwarzen Schleife zu einem Zopf, rasierte sein Gesicht - die Koteletten ließ er neben einem kleinen Ziegenbärtchen stehen -, schminkte sich die Augen mit schwarzem Kajal und brachte seine Augenbrauen in Form.
Zusammen mit dem galanten weißen Rüschenhemd, das er lose über der schwarzen Lederhose trug, konnte man ihn fast für einen der ausstellenden Künstler halten. Die mit ein klein wenig Schminke hervorgehobenen Wangenknochen komplettierten das Bild.

Doch als er im Hotel angekommen war und den Reden lauschte, langweilte es ihn tierisch. Gerade als er im Begriff war, zu gehen, schnitt die junge Prinzessin etwas durch. Na endlich, Mädel... Die Rede kam wiederum gut bei ihm an. Endlich mal jemand, der nicht bloß hohle, steife Phrasen herunterbetete und damit demonstrierte, wie wenig Ahnung er doch von Kunst hatte.

Als sich die Prinzessin ein Bild sehr lange anschaute, widmete er seine Chance, an den Gorillas vorbeizukommen. Voller Elan ging er vor dem Bild auf und ab und fabulierte.

"Mon dieu, les couleurs! C'est incroyable! Ein wahres Kunstwerk. Oooooh, dieser Ausdruck, diese Emotion!"
Er gestikulierte bei jedem einzelnen Wort mit einer Leidenschaft, die ihresgleichen suchte - und offenbar die Bodyguards verwirrte. Ansonsten hätten sie mit Sicherheit nicht so lange zugeschaut, wie jemand nur eine Armlänge Abstand vor der Prinzessin stand und mit den Händen rumfuchtelte.

"La passion, diese Liebe zum Detail! Ja, ich würde sagen - dies ist eindeutig..."
...jetzt schaute er die Prinzessin direkt an und lächelte verschmitzt...
"...das Werk eines 5jährigen."

Ihn amüsierte der Gesichtsausdruck der Bodyguards, doch er suchte den Blick der Prinzessin. Fachmännisch stellte er sich halb neben sie - soweit die Gorillas es zuließen -, verschränkte die Arme, ehe er sich mit der rechten Hand ans Kinn fasste und anschließend aufs Bild zeigte, den Blick der Prinzessin suchend und findend.

"Oder... vielleicht eines 6jährigen? Sie werden so schnell groß, wissen Sie..."
Senator Thierry Barras
Herr des Palais Feutre
"Vous avais ma curiosité, mais maintenant vous avez mon attention."

3

Samstag, 29. Februar 2020, 19:31

Leonor war vertieft in dieses Bild. Die Farben gaben eine Siluette vor, doch es hätte genauso eine Täuschung sein können. Leonor war sich nicht sicher, warum gerade dieses Bild, warum ihr die Farben und der Stil so bekannt vorkamen. War das wirklich die Siluette oder war das nicht. Die Frage ärgerte Prinzessin und füllte ihre Unzufriedenheit bis zum Hals. Am Ende fand sie sogar die Farben zu schrill und das Bild voller Ironie des Malers zu seinen Betrachtern. Die zwei Muskelmänner gelangweilten sich, was Leonor noch mehr ärgerte. Sie war auf dieses Bild reingefallen und stand davor wie eine dumme Novizin vor dem Kardinal. Die moderne Kunst kann wunderschön sein, doch die Innovation bleibt oft auf der Strecke und wird durch die Freakshow ersetzt. Leonor hat nicht einmal bemerkt, dass sich jemand neben ihr stellte. Also erzielte der Mann in erster Linie die Prinzessin zu überraschen. Seine Kleidung und geschminkte Augen brachten sie zum Lächeln und seine gestikulierende Art zum leisen Lachen. Seine Worte ließen sie sogar ihn anzuschauen. Direkt, mit diesem offenen Lächeln auf den Lippen. Prinzessin war bekannt für ihre offene Art. Ob dieser Mann davon wußte.. vielleicht, vielleicht auch nicht.

"
Emotion und Bewegung sind im Bild tatsächlich vorhanden, doch dem Künstler fehlt die Umsetzung und dazu muß man wissen, was man will. In einem haben Sie aber Recht. Der Künstlich ist unreif wie ein Säugling.
"
Leonor spürte, wie ihr Unwohlsein verschwand "Doch das bleibt unter uns. Die Kommentare lassen wir lieber den Kritikern. Es ist nicht tugenhaft, das fremde Brot zu stehlen. auf jeden Fall ist das Bild wert, um dem Künstler zumindest den Wert der Farbe zu erstatten. Ich wette, dass Sie auch ein guter Künstler sein könnten. Übrigens, mein Name ist Leonor de Guyenne
"

Da Leonor hier offziell eingeladen wurde, so war es auch nach dem Protokoll , sich dementsprechend vorzustellen.
Leonor Beauharnais de Margaux
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Thierry Barras

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4

Samstag, 29. Februar 2020, 21:38

"Mademoiselle, es ist mir eine Ehre."
Mit einer tiefen Verbeugung in ausladenden Bewegungen - die die Gorillas zu einem Zucken animierten - stellte sich Thierry vor.
"Jean-Luc Picard, sehr erfreut et cetera pepe. Merken Sie sich den Namen nicht, nennen sie mich einfach "Der gutaussehende Irre". So in etwa wird es wohl auch in der Presse stehen. Apropos - Zeit für ein schönes Lächeln!"

Er deutete in die Richtung eines Pressefotografen, der gerade offenbar versuchte, ein kompromittierendes Foto zu schießen. Stattdessen beschloss Thierry, ihn heranzuwinken.

"Kommen Sie, nicht so schüchtern. Die großen Anzugmänner tun Ihrer Kamera nichts. Und wenn doch - naja, dann hat sie es bestimmt verdient."

Die Fotosession würgte er jedoch schon ab, nachdem der Auslöser nur zweimal sein Klickgeräusch von sich gab.

"Mademoiselle de Guyenne - es ist wirklich sehr löblich, dass Sie ein bisschen Ehre des Künstlers aufrecht erhalten wollen. Aber ich sehe Ihnen an, dass Sie dieses Bild genauso verwirrend finden wie ich. Ah!" ...und er erhob den Finger, ehe die Prinzessin etwas entgegnen konnte... "Ich habe für so etwas ein Auge." ...mit dem er kurz und unauffällig zwinkerte. Den Schalk im Nacken, gepaart von jugendlichem Leichtsinn, fragte er sehr direkt...
"Ich sehe außer diesen beiden... ehehm.... sympathischen..." <...Gorillas...> "Herrschaften keine Begleitung an Ihrer Seite. Darf ich mich für heute Abend auf diese Position bewerben? Meinen Lebenslauf schicke ich Ihnen gerne per E-Mail - aber erst morgen, mein Akku muss noch laden und die externe Festplatte hat Anlaufschwierigkeiten. Doch: Es könnte Sie vor einem riesigen Anfall von Langeweile bewahren."
Senator Thierry Barras
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5

Samstag, 29. Februar 2020, 21:50

"Madame, Monsieur, welch eine Freude, solch hohe Herrschaften in meiner bescheidenen Galerie zu begutachten. Ich warte schon eine ganze Weile auf Sie, aber nun sind Sie ja da!"
Ein mittelgroßer, leidlich aussehender Mann im fortgeschrittenen Alter tritt aus einer Tür in der Seite heran. Seltsam doch, wo die ehrbare Dame gerade mit einem anderen Mann als Direktor und einer weiblichen Galeristin sprach. Nun, wer sieht schon durch die Besitzverhältnisse auf derlei Veranstaltungen durch.
"Man hat mir versichert, die ehrbaren Herrschaften sind Freunde der Kunst. Ich bin daher sicher, dass ich heute viel von Ihnen lernen kann. Sehen Sie, ich male recht gern, aber nur für mich. Aber dazu suche ich die Inspiration."
Er wirft den Herrschaften und der Dame bedeutungsvolle Blicke zu, hält aber artig Abstand, um die Leibwächter nicht zu beunruhigen. In einem leichten Schlendrian taumelt er mehr als zu gehen auf das Bild vor den beiden zu. Mit einem Lächeln, dreht er sich kurz vorher zur Dame um.
"Wie Ihr sicher wisst, werte Prinzessin." Und tatsächlich veränderte sich hier die Ansprache, aber der leicht beschwingte Ton bleibt gleich. "Haben wir es hierbei mit einer blassen Kopie des Originals zu sein. Aber die Kopie ist von elementarer Bedeutung, manchmal kann so eine Kopie, so ein liederlicher Ersatz, trotz aller schlecht sitzenden Kleidung, prachtvoller werden als das Original. Das ist nämlich dahin." Er lächelt nun breiter, so als würde er gleich eine Nachspeise erhalten. "Ohja, das Potential ist immens. Aber nun, ich sprach Euch aus einem bestimmte Grunde an. Ihr Colbert da, Ihr Jean-Baptiste, Ihr Frederique-Enrique, dort, nun Ihr Leibwächter. Ich würde ihn gern zeichnen. Gestattet Ihr einem Künstler dies?"
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Thierry Barras

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6

Samstag, 29. Februar 2020, 22:30

"Monsieur, ihre Passion in allen Ehren - aber finden Sie es nicht etwas unhöflich, mitten in eine Konversation zu platzen?"

Zwar bewahrte Thierry die Höflichkeit, doch würde jemand, der ihn kennt, heraushören, wie sehr ihn dieser Kerl gerade nervte.

Er schaute zur Prinzessin - die ihm an dieser Stelle bereits leid tat. Natürlich würde sie auf so einer Veranstaltung von vielen Leuten angesprochen werden. Natürlich würde sie hier höflich lächeln, nicken und allgemein freundlich sein. Er hatte zwar sein erstes Ziel erreicht, als eine willkommene Abwechslung zu den steifen Galeriebesuchern und Möchtegernkünstlern wahrgenommen zu werden, doch fürchtete er, seine Frage würde durch diesen quäkigen Midlife-Crisis-Möchtegernkünstler untergehen, der tatsächlich einen Gorilla zeichnen wollte.
<Da kann er besser in den Zoo gehen, dort ist die Sicht freier.>

Sein Blick, den er der Prinzessin zuwarf, sagte letzten Endes soviel aus wie "Siehst du? Genau das will ich dir ersparen." - doch ob sie diesen Blick wahrnahm und richtig deutete, dessen konnte er sich nicht sicher sein.
Senator Thierry Barras
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Sonntag, 1. März 2020, 02:36

Na fein! Sie wollte gerade dem Mann neben sich, der sich als Picard ausgab, antworten, als der Orkan in Form von etwas undefinierbarem kam, was eventuell ein Küstler sein sollte, könnte oder sich auch so ausgab. Leonor begann bald zu denken, es sei ein kostümiertes Fest. Doch mehr als diese wundersame Tatsache war die Ansprache mit Madame. Es war ihr unangenehm, so unangenehm, dass sie murmelte "Sehe ich wirklich so alt aus? " Leonor befand sich in einer heiklen Lage. Und der Photograph hat auch ein paar Bilder geschossen. Sie machte eine kleine Bewegung mit der Hand und einer der Leibwächter verschwand hinter dem Photographen her.
"
Ich habe gehört, dass einige Galerien keine Originale ausstellen. Doch von diesem renomierten Veranstalter wie dieses Hotel habe ich es nicht erwartet. Sie behaupten tatsächlich, es sei eine Kopie? Haben Sie das Original gemalt?
"

Leonor zog die Vokale in die Länge. Nun war die Falle zu perfekt.

"
Und ich verrate Ihnen. Ich liebe originelle Leute und Gegenstände. Was meine Leibwächter anbetrifft, sie sind zu leibhaftig, um zu posieren. Es sei denn Sie beweisen mir die Ernsthaftigkeit Ihrer Absicht. Auf eine.. odr auf eine andere Art und Weise.

"


Ihr Blick lächelte zu Barras und er schien auch diesen Schalk in ihren Augen zu erkennen. Nicht vergessen, der Humor von Leonor war auf dem fast gleichen Niveau wie bei dem funkelnden Lord Reis.
"Picard? Gehören Sie der berühmten Familie, die Taschen produziert? Ich liebe dieses einfache Design"
Und wieder bewies Leonor ihre Fähigkeit, von einem Thema zum anderen zu springen.


"Und wissen Sie, warum ich die Kunst so liebe?" Diese Worte galten nun wieder dem Ruhestörer "Die Kust schreibt mir nicht vor, was ich sich weiß oder nicht weiß und noch weniger, Wie ich es sicher weiß. Und wenn es mir nicht einmal die Kunst vorschreibt, so ist die Kunst für mich gleich der Freiheit. " Leonor hat den Fisch nun auf den Bauch gelegt. Auch wenn ihre Worte frech waren, Leonor war jung und ihr Blick revidierte alle bösen Absichten, die ihr je angehängt worden waren.

Picard, der Kapitän der Taschendiebe, spürte plötzlich ein heimliches leichtes Ziehen an seinem Ärmel. Außer Leonor hätte es keiner machen können. Anscheinend hat Prinzessin seinen Blick verstanden und vor allem bemerkt. Wollte die Holde gerettet werden oder sie verzichtet sich darauf, das war jetzt die entscheidende Frage. Scrollen wir kurz nach oben... originelle Leute hat sie gesagt. Der zweite Leibwächter kehrte in dieser Zeit zurück und nickte kurz. Seine Augen verfolgten das Geschehene.
Leonor Beauharnais de Margaux
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Sonntag, 1. März 2020, 10:03

"Oh, Monsieur Bar- äh Picard, Sie verstehen schon, in der Kunst ist so ziemlich alles erlaubt. Und ich hatte erwartet, dass Sie entspannter sind, schließlich sieht man an Ihrem Gesicht deutlich die Spuren des intimen Umgangs mit dem schöneren Geblüt der Menschheit. Wie sich diese feine Form der Beschäftigung gut auf die Haut ausübt, ist nunmehr unverkennbar. Ein geübter Beobachter wie es ein politisch interessierter Mann wie Sie sein sollte, müsste solche Zeichen doch gleich im Spiegel erkennen, n'est-ce pas?"

Er betrachtet ein wenig länger das Gesicht des Besagten, die anderen Punkte in Haltung und Schritt lässt er unerwähnt; doch er würde diesen Mann nicht zeichnen wollen, zu unüberlegt sein Verhalten, zu wenig subtil seine Äußerungen. Warum die Prinzessin ihn nicht gleich mit einem Dolche erstach, war ein Rätsel. Die Falschheit stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben und der künstliche Schalk war abstoßend. Nun, Marat war nicht die Prinzessin, also durfte . . . Picard noch wenig weiter seine Floskeln verbreiten. Was man heutzutage alles in die Politik ließ.
Mit einem feinen Lächeln wandte er sich an die Prinzessin, dem Bild warf er einen vielsagenden Blick zwischendurch zu.
"Wie Madame sicher bemerkt haben-" und er bemerkt mit verborgenen Wohlwollen, wie die Anrede ihren schlecht funktionierenden Panzer durchstach - "sind die Feinheiten der Malerei sehr subtil und die Expertise rar gesäht. Nur solch ehrbare und aufmerksame Beobachter wie Ihr und ich werden die Verfärbungen des benutzten Materials bemerkt haben, auf dem diese Kopie gezeichnet wurde. Ein Material, das - wie wir beide als Kenner der Kunst wissen - zur Zeit der Entstehung nicht zu erhalten gewesen wäre. Und dann noch diese Farbe hier, das Zinnoberot ist viel kräftiger als dass es der richtige Künstler hätte verwenden können. Aber nun, die anderen vier Fehler könnt Ihr ja aufzeigen, es steht mir fern, einer solchen Dame wie Euch hier den Rang abzulaufen."
Er hebt eine Augenbraue und seine schlaffen Züge straffen sich einen Augenblick, so als würde er eine Art Schleier lüften, wird sein Blick hart, bevor er den Eindruck mit einer linkischen Geste und einem kleinen Lächeln wieder glättet.
"Madame haben nicht umsonst jenen Eurer Begleiter geschickt, den ich auch zu zeichnen versucht war. Sein Kumpan ist nun, vielleicht professionell genug, seine Schwächen zu verstecken, so dass sie nicht jeder sieht, aber Ihr und ich wisst als aufmerksame Beobachter der Menschen, dass er langsamer darin ist, Zusammenhänge zu erkennen, Menschen zu durchschauen oder zu verstehen und sich nicht in der emotionalen Stabilität befindet, stringent zu agieren und zu reagieren. Seine Lebensführung ist flatterhaft, er ist wenig entspannt, regelmäßiger Verkehr obliegt ihm wegen Zweifeln an seiner Manneskraft nicht mehr."



Ob es der professionelle Rahmen ist oder die Worte des Sprechers, der Leibwächter hat ihn noch nicht trotz dieser beleidigenen, wenn auch zutreffenden Worte attackiert.
"Doch sehen wir uns noch einmal Euren anderen Begleiter an, der weiß, wie er sich zu verhalten hat und wo seine Grenzen sind und das Potential entwickelt, unscheinbar zu erscheinen, wenn es notwendig wird, Präsenz zu erklären, wo sie geboten ist, und Willen beweist, wo er gebraucht wird. Ihr seht es an den vier großen S: Statur, Silhouette, Schatten und Schein. Ihr seht es an den Augen und der Schärfe seines Blickes. Zudem kann er durch Eure Anwesenheit nicht abgelenkt werden und ich bin ihm sicher nicht interessant genug und auch zu alt. Ich schätze, ein gewisser Monsieur Barras würde eher seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Zu schade, dass wir nun einen Monsieur Picard bei uns haben."

In einem albernen Schlendergang begibt er sich seitweits in Richtung eines anderen Bildes, wobei er scheinbar aus Ungeschicklichkeit oder allgemeiner künstlerischer Zerstreutheit einen anderen Photographen umrempelt und so dessen Chance auf Aufnahmen ein Ende setzt. Nach einer halbherzigen Entschuldigung, bei der seine Linke das Handgelenk des anderen wie ein Schraubstock abschnürt, lässt er den Kamerabediener davoneilen auf der Suche nach kaltem Wasser für seine armen Gelenke und dreht sich zur Prinzessin um.

"Nun, wollen wir zum nächsten Bild kommen? Oder wollt Ihr Monsieur Picard noch die restlichen Fehler dieser Zeichnung aufzeigen?"
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Sonntag, 1. März 2020, 12:05

Es war wie auf einer der Vorlesungen ihres geliebten Professor Adamovic. Spritzig und doch professorisch hochnäsig. Auf jeden Fall hat dieser Opponent das rote Bannerchen übernommen. Leonor war gespannt auf die Antwort von Barras alias Picard und ärgerte sich, dass sie nur höflich bleiben darf. Leonr bewegte sich nicht zum anderen Bild sondern blieb stehen.
"
Anscheinend haben Sie das Original gesehen. Ich muß zugeben, den Verdacht, dass mit diesem Bild etwas nicht stimmt, hatte ich. Doch vich wollte mich nicht dermaßen anmaßen und dem Ruf des Veranstalters schädigen. Wir sind hier nicht in einem Museum, wo es keine seltene Gwohnheit gibt, die Originale durch Kopien zu ersetzen. Wir sind hier jedoch nicht in einem Altertumsmuseum. Es ist nicht nur der Verlauf der Farben sondern auch die Intensität und vor allem muß man bedenken... jede Farbe braucht die Zeit, um trocken zu werden. Wenn ein Maler sein Werk meistert, so legt er eine Schicht nach der anderen, vermischt sie und läßt austrocknen. Manchmal dauert es mehrere Tage, bis die nächste Schicht aufgetragen wird. Nur die Kopien, die von einem Original stammen, brauchen diese Bedenkzeit nicht. Der Maler, der dieses Bild gemalt hat, wußte ganz genau, wie, wo und welche Farbe er auftragen muß. Ergo... Man spürt die sichere Hand. Die Schnelligkeit. Die Genauigkeit, was wiederum bei so einem Gemälde totbringend ist.
"

Leonor war zu jung, um schnörkelig zu sprechen. Ihre Art war eher sachlich und direkt. Da kam aus ihr eher das Berufliche. Als der angehende Maler des fortgeschrittenen Alters über ihre Leibwächter sprach, konnte Leonor nicht anders und lachte.
"Was die beiden hübschen Männer hinter mir angeht, es wäre höchst du..... mm" Leonor wollte nicht vulgär werden, doch überlegte es anders. Würde sie genauso wie er reden, wäre sie der Anrede "Madame" gerecht. und unaufmerksam "von mir, Kräfte einzustellen, die gleiche Qualitäten haben. Es ist wie in einem Bild. Man könnte grün nehmen, man könnte jedoch blau und gelb zusammen mischen. Andererseits sollte man auch in Erwägung ziehen, dass beide mehrere Jahre unsere königliche Familie beschützen und beide fast nah die gleichen Fähigkeiten besitzen. Auch der Gedanke, dass die Aufgaben vor dem Einsatz strickt verteilt werden, ist nicht verkehrt. Der bessere Vergleich ist mit einem Ehepaar, welches zu einem Fest will. Man spricht sich ab. Wenn die Frau ein Kleid mit einem kräftigen Rot anzieht, so wird ihr Ehemann niemals ein blaues Halstuch tragen. Er wird eher den sanften oliv oder den dezenten Mintgrün wählen. Es wäre undenkbar, wenn beide fehlen würden. Also bleibt einer von ihnen, egal was passiert, bei mir und der andere erledigt die Aufgaben. Wie beide Herrschaften wohl bemerkt haben, ich bin heute ohne Begleitung. Auch mir ein Glass Wasser zu holen, gehört heute zu den Aufgaben meiner Eskorte. Es sei denn.. es findet sich ein Gentleman, der diesen Wunsch mir erfüllen wird."
Leonor war einen Knochen und lächelte der Vorstellung, wer diesen Knochen nun zuerst hebt."
Ihre Beobachtungsgabe in allen Ehren, doch Sie lassen sich von Ihrer Vorliebe und Symphatie leiten. Andererseits.. tun wir das nicht alle?
"
Leonor Beauharnais de Margaux
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Thierry Barras

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10

Sonntag, 1. März 2020, 12:34

Thierry schaute den Emporkömmling von Maler während seines Vortrags abschätzend an. Die Prinzessin musste höflich bleiben - doch das bedeutete nicht, dass er es auch bleiben müsste. Nachdem Mademoiselle de Guyenne um ein Wasser bat, haute er dem Möchtegernkünstler etwas zu kräftig auf die Schulter und ließ seine Hand dort. Den zangenartigen Griff kaschierte er kaum durch die massageartigen Bewegungen, die er machte, als er lachend sagte.

"Mademoiselle, statt in einen Konkurrenzkampf um Eure Gunst zu treten, erfüllen wir diesen überaus wichtigen Auftrag gemeinsam, auf dass Ihr von dieser schier interessanten Vorlesung durchatmen könnt."

Marat mit sich mit ziehend, lächelte er über die Schulter der Prinzessin zu, ehe er ihn sehr unsanft anfuhr:
"Sie sind ein bemerkenswerter Mensch. Sie kennen meinen Namen, ohne dass ich mich Ihnen vorgestellt hätte. Sie erzählen Sachen, die Mademoiselle und ich entweder schon längst wissen oder die uns nicht interessieren, ohne dass man sie fragt. Ihr Urteilsvermögen in Ehren beleidigen Sie ungefragt Menschen, die ihrer Pflicht nachgehen. Und Sie besitzen die Arroganz, den Namen eines gesuchten Mörders in diesem wundervollen Event auszusprechen."

Er ließ den Griff nicht lockerer werden, auch wenn der Herr sich zu wehren versuchte.

"Ich sage Ihnen, wie es jetzt abläuft. Wir bringen drei Gläser Wasser. Um sich für Ihre Frechheit und Ihre Hochnäsigkeit zu entschuldigen, gestatte ich Ihnen, der Prinzessin das Glas zu reichen und sich alsbald zu verdünnisieren. Höre ich von Ihnen noch eine ungefragte Lektion in infantiler Kunst..." er sog für einen kurzen Moment die Luft ein und bleckte dann die Zähne, während er sein Gesicht immer näher an das Marants führte... "werden Sie sich noch mehr wünschen, Barras wäre hier - und nicht Picard. Denn Barras würde Sie vermutlich einfach umbringen. Ich hingegen würde Sie quälen, wenn Sie einer jungen Dame weiterhin einen Abend verderben, auf dem sie eigentlich gar nicht sein möchte."

Sein Gesicht nahm wieder normale Züge an, als er den alten Mann losließ und - für andere kaum sichtbar - von sich wegstieß. Einem vorbeilaufenden Kellner nahm er drei Gläser Wasser ab, von denen er zwei an Marant gab, den er fest im Blick behielt.
Senator Thierry Barras
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Sonntag, 1. März 2020, 14:11

Er hatte nun - da es nicht mehr von Nöten war - den spielerischen Widerstand gegen die grobe Hand des Narren aufgegeben. Wer einmal gewusst hatte, wie es in einem Sträflingslager zuging, der war die Grobheit gewohnt. Gut auch, dass bei älteren Männern Schwielen an den Händen nicht mehr so sehr auffallen, weil die Haut mitaltert. So nahm er die beiden Wassergläser und verglich sie miteinander. Sie stammten offensichtlich nicht aus der gleichen Produktionsreihe und das Wasser war auch nur zweite Wahl - ungewöhnlich bei diesen Gästen. Mit einem Lächeln - in das er künstlich Schmerz und Qual legte - verbeugte er sich äußerst ungeschickt vor dem angeblichen Picard, wobei er scheinbar unachtsam das eine Glas fallen ließ und dabei aus den Augenwinkeln die Reaktionen beachtete - jemand mit genug Training würde nicht zusammenzucken, wenn das Glas zerbrach.

"Oh, wie ungeschickt von mir, bitte verzeihen Sie, wie gut, dass der Boden hier so gut gearbeitet wurde. Selbstverständlich werde ich für den Schaden am Glas aufkommen, auch wenn es nur aus der siebener Reihe der Glaserei Ventrissac stammt und nicht wie das andere aus der berühmteren achter Reihe." Er richtet sich - anscheinend tief beschämt wieder auf. "Ein gesuchter Verbrecher sagen Sie? Nun, dann gibt es dem Abend, auf dem die Prinzessin angeblich nicht sein will vielleicht etwas interessante Würze. Sicherlich können nicht alle so gewöhnliche Künstler wie ich sein. Es mag ja auch Lebenskünstler geben, die zufällig ein höheres Alter erreicht haben, obwohl ihre Art zu wünschen übrig lässt. Meinen Sie, dieser Barras ist ein solcher Künstler?" Er hebt eine der Scherben auf und betrachtet sie im Licht - ja eindeutig schlechter gearbeitet. "Das perfekte Verbrechen ist doch jenes, das niemand zu erkennen weiß. Aber diesen Monsieur Barras sucht jeder. Meinen Sie also, er wäre besonders gut in dem, was er so tut? Oder ist das eine besondere Kunst, Drohungen auszustoßen? Ob der Ruf besser ist als gar keiner?"

Sinnend tritt er an den Scherben vorbei und auf die Prinzessin zu, das andere Glas immer noch in der Tat, aus dem trotz seiner Ungeschichlichkeit kein Tropfen entrinnen konnte. Dann hält er der Prinzessin Glas und Scherbe hin. "Ich lasse mich gerne von meiner Sympathie leiten. Ihr könnt alles von mir haben, Wasser, Scherbe, mein Leben miteingeschlossen. Schließlich stehen wir doch hier am Scheitelpunkt Eurer unendlichen Möglichkeiten." Für einen kurzen Moment huscht ein Schatten über sein Gesicht, dann entspannen sich seine Züge wieder und werden gewohnt schlaff. "So werde ich wohl nicht zeichnen heute. Doch sagt, Prinzessin, wünscht Ihr, dass sich unsere Wege nun auf immer trennen? Ich bin in diesem, wie auch in allem anderen, Eurer ergebener Diener." Der Abstand zu den Leibwächtern und zu Barras beträgt einen halben Meter, sie sind zwar angespannt, verkennen aber die wirkliche Gefahr. Ein Attentäter hätte die Prinzessin längst töten können. Eine Verschwendung von Potential, enttäuschend. Wie konnte Marat sie nur vor all dem bewahren? Und ob sie ihn lassen würde? Ob Barras das tun würde? Er schenkte der Prinzessin ein aufrichtiges Lächeln, so ganz anders als bisher. Die Zukunft war im Fluss.
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Thierry Barras

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Sonntag, 1. März 2020, 14:20

Er zuckte nicht, als Marat das Glas fallen ließ. Was für ein Schauspieler. In puncto Dramatik versuchte er wohl, seinen eigenen Auftritt in den Schatten zu stellen? Tölpel.

"Man sagt, es lebe sich gänzlich ungeniert, sei der gute Ruf erst ruiniert. Woher soll ich wissen, was es mit diesem Barras auf sich hat? Lebt er gut, tut er dies nicht, muss er sich mit irgendwelchen Emporkömmlingen herumschlagen wie ich jetzt gerade?"

<Mir doch total scheißegal, ob du irgendwem dein letztes Hemd für ein Glas gibst oder nicht.>

Und so stand Marat dort - mit einer Scherbe in der Hand vor der Prinzessin. Die Gorillas schienen nicht einmal zu zucken. Was konnten diese Deppen eigentlich?

Er beobachtete Marat nur kurz, ehe er zu handeln beschloss.

Entschlossenen Schrittes ging er den halben Meter, der zwischen ihm und Marat lag, und griff nach der Hand, die die Scherbe hielt - oder vielmehr: Nach dem Handgelenk. Und dann passierte scheinbar alles gleichzeitig...
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Sonntag, 1. März 2020, 14:49

Also ließ Marat die Scherbe fallen, es gab keinen Grund zur Beunruhigung, denn nur eine Person hatte hier die Kontrolle und das war die . . . Madame. Ob das Picard-Barras erkennen konnte, war fraglich. Aber die Möglichkeiten waren immens. Oh, natürlich musste er noch eine Reaktion zeigen, aber diese kam etwas verzögert, vielleicht eine Sekunde zu spät. Er zuckte zusammen und stammelte.

"Monsieur Picard, was . . . was machen Sie da?"

Gespannt wartete er darauf, was nun passieren würde. Es gab keine Zeit für Zweifel, auch wenn sein Gesicht Erschrecken und Unsicherheit zeigte. Ob hier jemand auf der Vernissage nun die Bausteine zusammensetzen würde, um Barras Verhaftung zu erwirken? Nicht unwahrscheinlich, angesichts seines auffälligen Verhaltens. Dagegen kannte hier niemand Marat, jedenfalls sollte ihn niemand kennen. Er war sich sicher, dass alle tot waren, die ihn je gekannt hatten. Das war für seine Aufgabe schließlich unabdingbar, auch wenn er drei Jahrzehnte benötigt hatte, sie alle aufzuspüren.
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Sonntag, 1. März 2020, 15:01

In dem Moment, in dem Marat die Scherbe fallen ließ, spürte Barras eine grobe Hand auf seiner eigenen Schulter. Sie gehörte zu dem Bodyguard, dem der Künstler eine Vorliebe für ihn andichtete. Unverzüglich ließ er das Handgelenk los, hob beide Hände und gab sorgsam darauf Acht, keinen Tropfen Wasser zu verschütten. Doch er bewegte sich keinen Meter zur Seite.

"Ich bitte Sie, Herr Grobian - was soll denn das nun wieder?"

Mit einer eleganten Drehung befreite er sich aus dem Griff des Gorillas und hob das Glas wie einen Schutzschild vor sich.

"Ich möchte lediglich einen Schluck trinken. Und einen Spitzel enttarnen. Bitte halten Sie mal kurz."

Etwas zu unsanft drückte er (nachdem er einen großen Schluck trank) dem zweiten Gorilla sein Glas in die Hand und ging - stolzierend wie ein Pfau - um Marat herum. Nach zwei Umrundungen blieb er genau zwischen ihm und der Prinzessin stehen, ein Funkeln in den Augen.

"Dies hier, Mesdames et messieurs, ist kein Künstler. Oh nein, lassen Sie sich von seinem Geschwafel nicht blenden."

Er sprach bewusst laut, um die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich und den seltsamen Menschen vor ihm zu lenken. Täuschte er sich oder kam ihm das Gesicht bekannt vor?

"Dieser Mann war kurz davor, ein Attentat auf die Prinzessin zu verüben! Mit einer Glasscherbe in der Hand ging er zähnefletschend und geifernd auf sie zu. Die Leibwächter waren starr vor Schreck. Nur durch mein beherztes Eingreifen wurde das Leben der Prinzessin verschont! Ergreift ihn! Aber nehmt ihm das Wasserglas vorsichtig ab. Er hegt dafür tiefe Gefühle, denn es stammt aus einer Achterreihe."

Er spürte, dass diese Ansprache ihre Wirkung nicht verfehlte. Einzelne Leute drehten sich um und selbst die Gorillas wirkten verunsichert.

"Ergreift ihn, sagte ich! Oder wollt ihr einen Attentäter frei herumlaufen lassen?"
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Sonntag, 1. März 2020, 15:13

Köstlich, ein interessantes Geschenk. Man würde sie alle verhaften, wenn das nötig wäre. Aber gleichzeitig war das nicht in seinem Sinne. Wichtig war nur, der Prinzessin die volle Kontrolle zu geben. Kurz überlegte er, ob er Barras hier und jetzt unschädlich machen sollte, doch sah er nicht, wie ihm das gelingen sollte, ohne einen oder mehr Menschen zu töten. Und das wäre dann doch zu dramatisch gewesen. Zumal weder Barras noch die Prinzessin zu Schaden kommen durften. Zitternd drehte er sich zu der Menge um.

"Oh ihr Leute, verzeiht den Aufruhr, ich war hingerissen vor der dargestellten Kunst. Doch beruhiget euch, allein die ehrbare Prinzessin hat die Kontrolle, sie hat alles in der Hand, mein Leben und das jedes Einzelnen hier eingeschlossen. Ihrer Autorität beuge ich mich jederzeit. Ich werde der Zukunft des Reiches sicher nicht gefährlich werden können. Ein alter Mann wie ich. Soviel Emotionalität." Er brabbelte weiter, ein Kauderwelsch zusammen, unablässig bombardierte er den Raum mit Fetzen und Informationen. Er verließ sich darauf, dass die Prinzessin die wichtigen Schlüsse zog. "ich, der arme Maler Ferdinand Marat, hier wie alle, um diese Inspiration zu genießen. Ich bin soviel Aufmerksamkeit nicht gewohnt, oh, wenn Sie mich töten wollen, so werde ich für die Prinzessin sterben, oh oh . . ." Sein Zittern wurde unkontrollierter, rief nun endlich jemand die Wache? Wenn Barras hinter Schloss und Riegel war, konnte die Sache gut ausgehen. Sein Leben war unwichtig, aber Barras musste hinfort und die Prinzessin überleben.
Künstler zeigen die Wahrheit durch die Lüge

Thierry Barras

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16

Sonntag, 1. März 2020, 15:24

Er schaute den alten Mann ungläubig an. Was für ein Spiel spielte er hier? War er überhaupt noch bei Sinnen? Was hatte er vor?

"Jaja, ein sehr zusammenhangloser Vortrag, Monsieur. Doch die Indizien sprechen für sich. Wer, der nur die Kunst wertschätzen möchte, verschüttet absichtlich kostbares Wasser, zerbricht absichtlich ein von ihm als minderwertig klassifiziertes Glas, um dann mit einer Scherbe eben dieses Glases vor die Prinzessin zu treten? Doch lassen wir dies ein Gericht entscheiden. Wichtig ist nur eines - und das ist die Sicherheit der Prinzessin. Um diese zu gewährleisten, sind diese zwei sympathischen Anzugträger da, die keinen Muskel rühren - schließlich geht dank meines heldenhaften Einsatzes keine Gefahr mehr für sie aus."

Allgemeines Rumoren erfüllte den Raum. Die umherstehenden Leute wussten offensichtlich nicht, was sie von dem Ganzen halten sollten. Ein älteres Ehepaar begann sogar zu klatschen. Offenbar hielten sie dies für eine spontane Improvisationsdarbietung. Thierry hätte in seinem Aufzug auch problemlos als Mitglied der Laientheatergruppe, die sich jeden Mittwoch ein paar Häuser weiter traf, durchgehen können.
Aber warum reagierten die Bodyguards immer noch nicht? Hatte er die Situation falsch eingeschätzt? Das wäre nicht das erste Mal gewesen, doch jetzt gab es kein Zurück mehr.

"Monsieur Marat hier ist nicht der arme Maler, für den er sich ausgibt. Er ist ein Blender - und ich glaube, er war früher einmal Pornostar. Doch vor allem ist er eines: Ein schamloser Lügner."

Bei diesem Wort beugte er sich herunter, schaute Marat direkt in die trüben Augen und setzte seinen Finger auf dessen Brust. Es war nicht der Zeigefinger.
Senator Thierry Barras
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17

Sonntag, 1. März 2020, 15:43

Endlich schienen die Leibwächter zu reagieren und der, den er davor so grob beleidigt hatte, packte Marat und schüttelte ihn kräftig. So musste er das Klappern der Zähne nicht einmal vorspielen.

""Okay, den einen haben wir, blöder alter Trottel, was sollen wir mit ihm machen?"

Marat wurde nun gehalten, während Barras auf seiner Brust herumtippte. Sollte er tippen, er hat keine sichtbaren Waffen bei sich. "Was wollen Sie von mir, ich bin doch nur ein alter Mann. Ein Pornostar? ich? Wer sollte mich denn sehen wollen? Und was war denn gelogen? Ich habe nich . . nicht gelogen! Welch Infamie! Lassen Sie mich doch los." Er begann schnappend zu atmen und der Leibwächter lockerte etwas den Griff, ja, sein Urteil über diesen war wohl gerechtfertigt gewesen. Für die Umstehenden mochte es nun so aussehen, als bekäme er gleich einen Anfall.
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Thierry Barras

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18

Sonntag, 1. März 2020, 15:51

Kopfschüttelnd drehte er Marat den Rücken zu und wandte sich an die Prinzessin, der er mit einer Hand auf der zarten Schulter zuflüsterte:
"Immerhin keine Langeweile, auch wenn ich dieses Gewese überhaupt nicht verstehe. Kommen Sie... lassen wir Ihren Gorilla die Arbeit verrichten, ich..."

In diesem Moment vibrierte das Handy in seiner Hosentasche und verkündete damit, dass er eine SMS bekommen hätte. Er war verwirrt. Diese Nummer kannten nur wenige - eine von ihnen...

<Therese?>

Wer auch immer es war, hatte einen unheimlich unpassenden Moment erwischt. Zudem war weiterhin die ganze Aufmerksamkeit der umstehenden Leute auf sie gerichtet. Das ältere Ehepaar hatte seine Theorie einer spontanen Improvisation wohl verbreitet und begann, langsam zu klatschen. Offenbar hielten sie die Szene für beendet.

Irritiert drehte Thierry sich mehrfach um die eigene Achse. Er verspürte eine gewisse Beklemmung, denn einige der Leute kamen näher. Sie würden Fragen stellen. Fotografen würden die Szene einfangen wollen. Er war ein Narr...

"Prinzessin... grüßen Sie diesen Barras von mir, über den der Herr gesprochen hat. Scheint nett zu sein."
Senator Thierry Barras
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19

Sonntag, 1. März 2020, 19:24

Und die Prinzessin amüsierte sich köstlich. Leider ließen beide Männer sie absolut nicht zum Wort. Es war ein Theaterstück vom Feinsten und erinnerte ihr an die Komödien aus dem 17. Jh., die in dieser Zeit verbreitet waren. "Des Gärtners Hund" oder "Tartuffe". Leonor konnte weder dem einen noch dem anderen den Palmzweig des ersten Platzes zu geben, bis ihr Leibwächter doch eingriff. Als sie die Hand um ihre Schulter spürte, schob sie diese mit einem Lächeln weg und blickte auf Barras"
Scherben bringen Glück. Wissen Sie das nicht? Sie haben jetzt Alarm ausgelöst.
"

Die Leibwächter hielten ihre Positionen und störten nicht. Bis zu einem
bestimmten Punkt, wo das Wort "Attentat" und "Prinzessin in Gefahr"
fiel. Leonor warf den Blick auf Marat, doch das war alles, was sie sagen oder tun konnte. Man schob Männer zur Seite und zwang Prinzessin zum Ausgang. Es waren natürlich nicht nur zwei Bodygards in der Menge.
Leonor Beauharnais de Margaux
Princess du Sang - Prinzessin von Geblüt
Princesse de Guyenne
Seigneuresse de Margaux

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »LEONOR de Guyenne« (1. März 2020, 19:30)


Thierry Barras

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20

Sonntag, 1. März 2020, 19:43

Fluchend schaute Thierry der Prinzessin und ihren Gorillas hinterher - und auf das Häufchen Elend, das sich Marat nannte. Woher kannte er dieses Gesicht nur?
Doch für lange Abschiedsworte blieb keine Zeit, da eine denkwürdige Räumung einer sehr harmlosen Vernissage erfolgte. Die Schlagzeile auf den Tageszeitungen war ihnen jetzt gewiss. Ungläubig schaute Thierry um sich. Er duckte sich geschickt unter Gorillahänden durch und nutzte das allgemeine Tohuwabohu, um im Zickzack durch Gässchen, Sträßchen und verwinkelte Wege weit weg von der ganzen Szenerie war. An eine Wand gelehnt, begann er zu lachen. Zögernd, unterdrückt, fortschreitend, lauter, bis hin zu einem schallenden Gelächter.

<So lebendig habe ich mich zuletzt mit Therese gefühlt. Wow!>

Apropos Therese... Jetzt kam er dazu, auf sein Handy zu schauen. Die Absenderin hatte er als "Thomas" eingespeichert - falls man sein Handy konfiszierte, sollte man nicht zu schnell die Verbindung zwischen ihm und Therese herstellen können (auch wenn diese für einige Gruppen längst ein offenes Geheimnis geworden war, doch dies ist ein anderes Thema).

Zunächst freute er sich - bis er die SMS öffnete. "Wir müssen reden" stand dort. Mehr nicht. Und jeder Mann weiß, was es bedeutet, wenn eine Frau diese Worte äußert.

Das Lachen erstarb so schnell und plötzlich, wie es gekommen war. Therese hatte alle Vorsicht und alle geheimen Kontaktwege für eine derart kurze Nachricht fallen gelassen. Was war dort vorgefallen? War etwas aufgeflogen?

<Die Zeit der Geheimnachrichten ist offenbar vorbei. Agieren wir offen.>

Dass er der Prinzessin den Abend versaut hatte, war ihm nun egal.
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