War es die Kälte, die langsam in alle Poren ihres Körpers kroch? War es die Berührung ihres Fußes, welche einen (warum auch immer) dumpfen Schmerz auslöste? Oder war es das ohrenbetäubende Tuten des näherkommenden Kutters, welches die Lebensgeister in Therese langsam wieder weckte? Womöglich eine Mischung aus allem, wobei Therese im Augenblick alles andere als geweckt werden wollte.
"Merde …"
Dieses eine Wort beschrieb am besten, wie Therese sich fühlte während sie im Zeitlupentempo die Augen einen Spalt weit öffnete und sofort wieder zusammen kniff, angesichts des grellen und verschwommenen Bildes vor Augen. Dieses Spiel wiederholte sich ein paar Mal, ehe Therese wieder einigermaßen bei Verstand war um zu begreifen, dass sie noch lebte und nackt auf einem harten Holzboden lag, der zu allem Überfluß nicht fest war, sondern heftig auf- und ab schaukelte. <Ich glaub …ich muss … gleich …>
Mit einer fahrigen Handbewegung versuchte Theres irgendwo Halt zu finden und dabei bekam sie zunächst ihr Handy zwischen die Finger, welches neben einem Haufen Stoff und weiterer Dinge vor ihrem Gesicht lag. Auf dem Display konnte sie flüchtig und verschwommen: "Es liegen 150 Nachrichten in Abwesenheit vor" entziffern, ehe sie das Telefon achtlos wieder fallen ließ. Weiter tastend schob sie den Arm voran, bis sie gefühlt mit dem Zeigefinger in einem Bauchnabel gelandet war.
"Anni? …Anni ..eellll … bis… su da?"
Nuschelnd und mit kratziger Stimme versuchte Therese etwas verständliches über die Lippen zu bringen und sie war schonmal erleichtert, dass sie nicht allein war. Zumindest erinnerte sie sich noch daran, dass sie zuletzt mit Anielle zusammen war und auch, dass sie zu dem Zeitpunkt - ehe ihr Gedächtnisfaden jäh abriss - im Begriff gewesen waren einander körperlich näher zu kommen. Dazu würde passen, dass sie nun nackt und irgendwie ineinander verkeilt da lagen, nur <das … das hier ist doch nicht meine Wohnung?>
Blinzelnd und ächzend nahm Therese alle Kraft zusammen, um sich auf zu rappeln. Prompt stieß sie mit Kopf gegen Plane, ehe das Boot von einer Welle erfasst wurde und sie unsanft gegen Anielle gedrückt wurde. Zum Glück schien Anielle wohlauf, auch wenn ihr engelsgleiches Gesicht gerade nicht danach aussah, aber besser sah Therese wohl auch nicht aus. Mit zusammen gekniffenen Augen stierte Therese an Anielles dennoch hübschem Gesicht vorbei und was sich da - nach und nach - in ihr Gesichtsfeld schob war alles andere als schön.
"Verdammt! … Was zum, … was machen wir hier?" <Und was macht DER da? >
Stellte Therese die wohl alles entscheidende Frage. Auf die weiteren Details und Eindrücke wollte sie erst gar nicht eingehen und schon gar nicht auf die Frage, was dieses riesige aufblasbare Gummi-Einhorn neben dem Boot zu suchen hatte, auf dem ein rosafarbener Ritter saß der zu ihnen herüber winkte. <Ein rosa Ritter mit Blümchen?>, so genau konnte das Therese noch nicht erkennen, da ihr Gehirn gerade ziemlich überlastet war.